Unikate. Der Examenskandidat

Für alle, die gerade durch die Hölle gehen und dabei weinrote Jeans tragen, weil es das einzige Paar Hosen ist, was noch passt und sauber ist.

Gegen Ende des universitären Lebens geschieht mit dem gemeinen Studenten eine gewaltige Mutation …

In der Examensphase, die zwischen zwei Tagen – Kommunikationswissenschaft – und zwei Jahren – Jura – dauern kann, treten ästhetische Erwägungen plötzlich dramatisch in den Hintergrund. Gleich einer umgekehrten Entpuppung vom Zustand des Schmetterlings in den der Raupe, verwahrlost der Unigänger zusehend, wird immer hässlicher und fetter.

Muskeln bilden sich zurück und ähnlich wie bei der Verwandlung von Bruce Banner in den unglaublichen Hulk ändert sich die Gesichtsfarbe von einem zarten Rosa in ein ungesundes sattes Grün. Die fett- und zuckerreiche Ernährung, die mit in dieser Zeit einhergeht, tut ein Übriges und erzeugt eitrige Pusteln im Gesicht. Passend zum Gesamtbild ist auch die Kleidung, die nur zwei Vorgaben zu erfüllen hat: Warm und sauber. Da erleben sogar weinrote Jeans eine nicht für möglich gehaltene Renaissance.

Auch das soziale Leben leidet in dieser Zeit enorm. Auf Parties ist die durchschnittliche Verweildauer meist nur zehn Minuten – der Cocktail aus schlechtem Gewissen, verheerendem Äußerem und absoluter Unkommunikativität bekommt nicht gut. Dass er dennoch aussieht wie ein Junkie macht den polnischen Abgang leicht.
Die schönsten Momente dieser Zeit bestehen in den kleinen rituellen Belohnungen wie dem täglichen Abspülen zu Gute Zeiten – Schlechte Zeiten oder einem herrlichen Ausflug zu ALDI.

In der Zeit danach hat der frischgebackene Absolvent größte Probleme sich wieder in sein soziales Umfeld zurückzufinden. Sämtliche mühevoll erworbenen Soft Skills sind für alle Zeiten verloren, was auf lange Sicht ein ernstzunehmendes Problem für den Standort Deutschland bedeuten kann.

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