Und dann kam alles anders als geplant

Eine satanische Sekte. Ein Autor auf der verzweifelten Suche nach Inspiration. Ein großes Fest voller Berühmtheiten. Und eine Menge Chaos. – Lasst die Spiele beginnen!

Saverio Moneta, Angestellter in einem Möbelmarkt, Papa von Zwillingen und Anführer der „Bestien des Abbadon“ sucht verzweifelt nach einem großen Coup, um seine bisher mehr als erfolglose Sekte weltberühmt zu machen. Nachdem die Gruppe in den letzten Wochen immer weiter geschrumpft ist und eines der Mitglieder es sogar gewagt hat, zur rivalisierenden Sekte überzugehen, setzt Saverio sich selbst das Ultimatum, innerhalb von einer Woche die größte bisher bekannte satanische Aktion auf die Beine zu stellen.

Fabrizio Chiba ist ein weltberühmter, aber zunehmend einfallsloser Autor, der seit einer Ewigkeit in den ersten Kapiteln seines neuen Werks festhängt. Während Chibas Uninspiriertheit ihm immer mehr zu schaffen macht, versucht er geradezu zwanghaft, wenigstens die Fassade des unerreichbaren Genies aufrecht zu erhalten.

Die beiden finden sich schließlich auf einer groß angelegten Veranstaltung des Immobilienhais Sasà Chiatti ein, der einen riesigen Stadtpark aufgekauft hat, um dort mit den Stars und Sternchen des ganzen Landes ein sensationelles und unvergessliches Wochenende zu verbringen.

Abwechslungsreich und unberechenbar

„Lasst die Spiele beginnen“ ist außergewöhnlich, so viel steht fest! Ob nun außergewöhnlich gut oder einfach nur außergewöhnlich, hängt stark vom Geschmack des Lesers ab. In dem Buch jagt eine absurde Idee die nächste, unerwartete Situationen treten ein und überhaupt scheint jede Seite einen neuen Witz mit sich zu bringen oder weiß auf andere Weise gut zu unterhalten.

„Der Anführer hob seinen Blick zur Decke und breitete die Arme aus.
»Wer ist euer charismatischer Vater?«
»Du!«, sagten die Bestien im Chor.
»Wer hat die Gebote des Bösen geschrieben?«
»Du!«
»Wer hat euch die Lithurgie der Finsternis gelehrt?«
»Du!«
»Wer hat die Pappardelle mit Kaninchenragout bestellt?«, fragte der Kellner mit einer Reihe dampfender Teller auf den Armen.
»Ich!«“ (S.16)

Der Humor nimmt teilweise sehr dunkle Töne an, ist an anderer Stelle dann aber wieder einfach nur absurd oder sogar verspielt. Er durchzieht unter anderem auch die Beschreibungen der Charaktere, die mal ein Dreifachkinn haben, das durch den hängenden Vorhang ihrer Wangen verdeckt wird, und mal bei der 1-Million-Euro-Frage wie auf einem Stachelschwein sitzen, während der Moderator „den zufriedenen Ausdruck einer Katze (hatte), die gerade Thunfisch gefressen hat“ und wohlmöglich bald noch die Krallen am Sessel schärfen wird.

Vielseitige Charaktere jenseits von gut und böse

Nahezu alle Charaktere sind mehr oder weniger speziell und überspitzt, sind aber erfreulicherweise relativ ausgeglichen, was ihre positiven und negativen Seiten angeht. Der Autor entfernt sich von jenen „perfekten“ Personen, bei denen alles vorhersehbar nach Plan läuft und die man einfach mögen muss. Stattdessen weisen seine Charaktere zahlreiche Ecken und Kanten auf – mal welche, die man versteht, mal aber auch solche, die man entschieden ablehnt. Durch diese „Fehler“ wirken sie, ihrer Überspitztheit zum Trotz, menschlicher und realistischer als die meisten ihrer über den Buchmarkt verstreuten Genossen.

Fazit

Ich habe selten ein Buch erlebt, das dermaßen unberechenbar und doch, trotz seiner Absurdität, so durchdacht ist. Die Beschreibungen lassen ein lebhaftes Bild der Umgebung und der Charaktere entstehen, der Inhalt an sich weiß gut zu unterhalten und doch haben mich die Charaktere und die Ereignisse, in die sie verwickelt sind, nach einem grandiosen Einstieg etwa ab der Hälfte des Buches ermüdet. Nicht etwa, weil sie langweilig wurden, nein, wohl eher im Gegenteil. Irgendwann wurde es zu viel: Zu viel Absurdität, zu viel Überspitztheit, zu viele Überraschungen, zu viel Action – weshalb ich den ganzen Spaß trotz zahlreicher Pluspunkte im Endeffekt auch nicht so recht empfehlen kann. Vermutlich finden aber einige, die auf der Suche nach skurrilen, schwarzhumorigen Geschichten sind und sich nicht von dem schnellen Tempo abschrecken lassen, in diesem Buch etwas Neues, das sie zu überraschen weiß.

Jenny Wunsch (academicworld.net)

Niccolo Ammaniti. Lasst die Spiele beginnen.
Piper Verlag. 19,99 Euro.

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