Um Gottes Willen!

Was tut man als Gott, wenn keiner mehr an einen glaubt? Keine Ahnung? Da geht es Ihnen wie den griechischen und nordischen Göttern in Sven Böttchers „Götterdämmerung“. Das Werk von 1992 wurde gerade aktualisiert und neu herausgebracht.

Um Gottes Willen! Rezension "Götterdämmerung"
Blitzgescheit ist anders – Zeus bringt die Menschheitsgeschichte gehörig durcheinander. © Falk Blümel/pixelio.de

Göttliche Intrigen

Auch ein Gott hat es manchmal ganz schön schwer. Weil keiner mehr an ihn glaubt und die eigenen Nachkommen ihm auf die Nerven gehen kommt Gottvater Zeus auf die glorreiche Idee die Menschheitsgeschichte ein wenig durcheinander zu wirbeln. Damit die Menschen endlich wieder an die Götter glauben! Wahllos werden als Menschen aus ihrer Zeit gerissen und in eine gänzlich andere gestellt. Die Wirklichkeit beginnt sich aufzulösen. Athene, Apollo und Artemis halten das von Anfang an für keine so gute Idee und sehen, nachdem alle anderen Pläne und Intrigen fehl schlagen, nur noch einen Ausweg: Sterbliche müssen her! Das aber könnte das himmlische Gefüge durcheinander werfen. Hat schließlich auch schon seinerzeit mit Herakles Probleme verursacht und final musste man den Kerl sogar im Olymp aufnehmen. Will man sich das wirklich antun?

Doch denn bekommen die Asen um Odin Wind von Zeus‘ Plan und mischen munter selbst mit. Doch auch hier formiert sich Widerstand in den eigenen Reihen. Und bald versuchen beide Seiten gleichermaßen zu helfen und zu verhindern, dass der Magier Gwyddiot von König Arturs Hof, der amerikanische 40er Jahre Detektiv Cameron und der verplante deutsche Salatbar-Techniker Erasmus aus unserer Gegenwart ans Ziel gelangen und  die Menschheit retten. 

Weltuntergang reloaded

Eine herrlich überdrehte Götter-Farce mit Herz, Humor und Hau drauf-Aktion. Leider fällt der Schluss im Vergleich zum Rest des Buches etwas kurz, unschlüssig und aufgesetzt aus. Schade. Aber das ganze Tohuwabohu davor ist so unterhaltsam und kurzweilig geschrieben, dass die Lektüre auf jeden Fall zu empfehlen ist. „Passend zum drohenden Weltuntergang im Maya-Jahr 2012 thematisiert dieser philosophische «Fantasy-Sci-Fi»-Roman die von Zeus herbeigeführte, nahende Apokalypse“, heißt es von Verlagsseite. So kann man dem „drohenden Untergang“ auf jeden Fall noch eine komische Note abgewinnen. Da passt die komplett überarbeitete Neuauflage recht gut. 

Um Gottes Willen! Rezension "Götterdämmerung"

Und während Griechen und Deutsche im Alltag von Finanzkrise und Rettungsschirmen aufeinander losgehen darf der Leser hier stellvertretend die jeweiligen Götter beim intrigieren und kämpfen beobachten. Und was zeigt sich? Hier, wie im wirklichen Leben, gibt es auf jeder Seite gute und schlechte, vernünftige und gedankenlose, nur auf den eigenen Vorteil bedachte genau wie selbstlose Protagonisten. Also genauer hinschauen, nicht nur im Buch!

Gisela Stummer (academicworld.net)

Sven Böttcher. Götterdämmerung
8,99 Euro. Rowohlt

  

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