Traue niemandem

Auf der Isle of Man, einer kleinen Insel in der Irischen See, passiert eigentlich nicht viel. Zu klein ist der Ort, an dem jeder über jeden Bescheid weiß. Der perfekte Ort um sich zu verstecken. Oder vielleicht doch nicht?

Traue niemandem

Als Rob Hale nach einem Motorradunfall im Krankenhaus erwacht, kann er sich nicht mehr an viel erinnern. Eins weiß er jedoch noch ganz genau: Es war eine hübsche, junge Frau bei ihm, die er kurz vor dem Unfall kennengelernt hatte und von der es jetzt hieß, er hätte sie sich nur eingebildet. Rob, immer noch sehr lädiert von dem Sturz, zweifelt an seinen Sinnen. Täuschte ihn sein Gedächtnis wirklich derart? Auch der ermittelnde Polizist – ein alter Freund von Robs Vater – behauptet, am Unfallort nichts und niemand anderen vorgefunden zu haben. Man versucht Rob sogar einzureden, er würde den Tod seiner kürzlich verstorbenen Schwester Laura noch verarbeiten, die sich selbst das Leben genommen hatte. 

Doch Rob ist sich ganz sicher, dass da etwas nicht stimmen kann. Die Begegnung mit Lena in dem verlassenen Haus auf der Isel of Man war seltsam, aber sie war real. Dann taucht die private Ermittlerin Rebecca Lewis aus London auf und will ihm dabei helfen, die Wahrheit rauszufinden. Wer ist diese Rebecca, wieso interessiert sie sich so für diesen Fall und kann Rob ihr überhaupt trauen? Wer ist der Drahtzieher und wer ist alles in diesen Riesenkomplott involviert? Die beiden begeben sich auf die Suche nach Spuren und je weiter sie kommen, desto mehr geraten sie in einen Sturm aus Lügen und Gewalt, bis sie selbst in Lebensgefahr geraten. 

Ein seichter Thriller

Chris Ewan schafft es eine gewisse Spannung zu schaffen, indem die Geschichte zunächst nur aus einer Perspektive – der ich-Perspektive von Rob – erzählt wird. Damit ist der Leser natürlich genauso ahnungslos, wie der Erzähler selbst. Irgendwann kommt allerdings eine weitere Erzählebene hinzu, die etwas mehr Licht ins Dunkel bringt, aber trotzdem nicht durchblicken lässt, wer nun die Guten und wer die Bösen sind. Die ganze Handlung hindurch liegt eine etwas düstere und bedrückende Atmosphäre in der Luft und bringt die Erwartung mit, dass jeden Moment etwas passieren wird. 

Die Geschichte ist komplex, verworren und gut durchdacht. Leider macht es sich Ewan mit der Auflösung etwas zu einfach. Und auch die Figuren – besonders die Hauptfiguren – erscheinen etwas schwach bzw. schwer vorstellbar. So wird einem, zum Beispiel, Rebecca nicht wirklich vorgestellt. Sie soll vermutlich eine knallharte Detektivin verkörpern, die ein solcher Profi ist, dass sie alle sofort durchschaut und auch recht schnell zu der Lösung des Problems findet. Der Held dagegen, ist eigentlich gar keiner – was in einem Thriller fast schon schmerzlich vermisst wird. Insgesamt lässt sich sagen, die Story ist in Ordnung und als Lektüre für Zwischendurch durchaus empfehlenswert. 

Julia Botov (academicworld.net)

 

Chris Ewan. Safe House.

9,99 Euro. rowohlt Verlag

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