Torkil Damhaug: Die Netzhaut

Torkil Damhaug stammt aus Norwegen und wurde 1958 in Lillehammer geboren. Er studierte Medizin und Psychologie und arbeitete im Anschluss als Psychiater. 1996 begann er mit dem Schreiben von psychologischen Thrillern. Mit dem ersten Buch seiner Reihe „Die Bärenkralle“ schaffte er seinen internationalen Durchbruch und wurde in Norwegen für den „besten norwegischen Thriller des Jahres 2007“ nominiert.

Das Cover von „Die Netzhaut“ ist in den Farben Weiß-Blau-Rot gehalten, sieht schick und modern aus. Erfreulicherweise ist auf der Innenseite des Schutzumschlags ein Ausschnitt einer Landkarte abgebildet und es wurden einige wichtige Positionen eingetragen. Über solch anschauliche Hilfen freue ich mich als Leser immer sehr, da ich mir dadurch die Gegend besser vorstellen kann.

Erneut hat mich academicworld auf ein reizvolles Buch aufmerksam gemacht, und so bin ich auf diese neue Serie gestoßen. Natürlich musste ich mir im Vorfeld erst mal den ersten Band „Die Bärenkralle“ zu Gemüte zu führen, bevor ich mich dem zweiten Band „Die Netzhaut“ widmete.

Auf den ersten Seiten von „Die Netzhaut“ erzählt der zwölfjährige Jo seine schaurige Geschichte über seine alkoholkranke Mutter, die noch nicht einmal am ersten Ferientag trocken bleibt, was für ihn und seine beiden Geschwister Truls und Nini nicht ohne schwerwiegende Folgen bleibt. Eines Abends ertappt er seine Mutter in einer unangenehmen Situation, wobei er Jakko kennen lernt, welcher zu Beginn einen freundlichen aber trotzdem merkwürdigen Eindruck beim Leser hinterlässt. Als Jo seine Probleme nicht mehr verkraften kann, läuft das Fass über und er gerät völlig außer Kontrolle. Diese Schilderung ist einem spannenden Thriller würdig – ich wollte einfach nur die Augen zumachen, aber das funktioniert nur im Kino.

Im ersten Teil treten zudem einige neue Charaktere ins Rampenlicht, welche rasch die Sympathie des Lesers gewinnen. Wir lernen Liss sowie ihre Familie und das Umfeld in Amsterdam kennen. Mit ihr begibt sich der Leser auf die Suche nach ihrer verschwundenen Schwester Mailin. Nicht untypsich für Damhaug ist, dass die Polizei erst im zweiten Teil der Geschichte aktiv wird. Besonders beeindruckt mich das Talent Damhaugs Personen zu beschreiben. Spannend bleibt, ob wir weitere Details zum Hauptkommissar Viken erfahren.

Nachdem man sich an die Satzbildung gewöhnt und die mangelnden Details zu Viken akzeptiert hat, kann man der Handlung recht gut folgen. Ich bin sehr angetan von den verstrickten Geschichten und der Erzählweise Damhaugs, die nur nach und nach Details über den Serienhelden preisgibt.

544 Seiten
Droemer (10. September 2010)
19,99 Euro

Stand Februar 2011
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