Tom Rachmann: Die Unperfekten – Hektisches Treiben in der ewigen Stadt

Das schnelllebige Nachrichtengeschäft im Kontrast zur Ewigen Stadt Rom – Tom Rachmans Roman „Die Unperfekten“ bezieht seinen besonderen Reiz unter anderem aus diesem Spannungsverhältnis. Die Haupthandlung bezieht sich auf das letzte Jahr der „Zeitung“ – internationales englischsprachiges Organ mit Sitz in Rom. Gegründet von Wirtschaftsboss Cyrus Ott und über 50 Jahre unter seinen Nachfahren erst er- und dann verblüht.

Ein jeder tut seinen Teil
Die Beschäftigten der „Zeitung“ werden in dieser Zeit mehr und mehr zu einer Schicksalsgemeinschaft wider Willen. Da werden die verschiedensten Charaktere in den unterschiedlichsten Positionen und Lebensphasen vorgeführt. Das ganze Spektrum menschlichen Seins wird abgebildet.

Vom Verlegerspross Oliver Ott, der sich in der großväterlichen Villa verbarrikadiert – sein einziger Freund sein Hund Schoppenhauer, über Chefredakteurin Kathleen, verzweifelt ums Überleben der Zeitung, wie auch ihrer Ehe kämpfend, bis hin zur treuen Stammleserin Ornella, deren Leben eigentlich nur noch durch die fast schon krankhafte Lektüre der „Zeitung“ zusammengehalten wird. Sie alle mit ihren Schwächen und Stärken, mit ihrem Enthusiasmus und ihrer Resignation tragen ihr Scherflein bei zum Wohl und Wehe des täglichen Nachrichtenwerkes.

Jeder ist wichtig
Das Handlungsgerüst wird von zwei Zeitstränge gebildet, die auf dasselbe Ziel zusteuern: Das Ende. Einmal die persönliche Ebene, geschildert anhand der in jeweils einem Kapitel dargestellten Einzelschicksale der an der „Zeitung“ Beteiligten und zum anderen am Ende jeden Kapitels mehr oder minder sachlich geschildert, die Geschichte der „Zeitung“ – vom visionären Anfang bis zum bitteren Ende.

Kein Stück Papier, in das am nächsten Tag der Fisch eingewickelt wird
Auf eindrucksvolle und ungewöhnliche Weise wird ein Panorama der Medienlandschaft vorgeführt, vor dem die einzelnen Handlungsträger jeweils ihre „15 Minuten Ruhm“ als Protagonist ihres eigenen Kapitels bekommen. Gleichwohl kann man bisweilen den Fortgang ihres Schicksals aus Erwähnungen in den anderen Kapiteln mitverfolgen.

Ein Roman, der zum Schnelllesen, aber auch zum Langenachwirken verführt. Ein wirklich gelungenes Stück Literatur und ein bemerkenswerter Einblick in das Geschäft mit den Nachrichten.

400 Seiten

Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Oktober 2010)

14,90 Euro


Stand Januar 2011
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