Thronstreit als Lebensaufgabe

Nicht nur für ihre Protagonisten, auch für Autorin Philippa Gregory scheint der Kampf zwischen den Herrschaftshäusern von York und Lancaster – sprich der englische Rosenkrieg – zur Lebensaufgabe zu werden. Diesmal: Die Heiratet der verfeindeten Häuser in Person von Henry Tudor und Elizabeth von York setzt nicht sofort den erhofften Schlusspunkt unter die langwierigen Thronstreitigkeiten.

Thronstreit als Lebensaufgabe

Familienzwist royal

Obwohl sie durch ihre Liaison mit ihrem Onkel König Richard III. eigentlich ruiniert ist, muss Elizabeth den Mann, der ihn in der Schlacht besiegt hat – Henry Tudor – ehelichen. Der unsichere junge Mann und seine besitzergreifende Mutter Lady Margaret betrachten die junge York-Prinzessin tatsächlich auch eher als Kriegsbeute, die den eigenen dürftigen Thronanspruch sichern soll, denn als eigenständiges neues Familienmitglied. Dabei ist Elizabeth immer pflichtbewusst und loyal – so wie alle Kinder Yorks am Hof ihres Vaters, König Edward, erzogen wurden. Doch darauf zu vertrauen können sich Henry und seine Mutter nicht leisten – glauben sie zumindest. Und dabei lassen sie sich, aus beständiger Angst um den gerade erworbenen Thron, die Chance entgehen, vom eigenen Volk geliebt zu werden. Ein Fehler, der sich mehrfach bitter rächen wird. Vor allem, als nach einigen Ehejahren und mehreren Kindern, ein junger Mann in Europas Höfen verkehrt, der behauptet Elizabeth‘ Bruder Richard zu sein, der legitime Thronfolger, der als Kind zusammen mit seinem älteren Bruder spurlos aus dem Tower verschwunden ist. Wem kann und soll ihre Loyalität gelten?

Es sind raue Jahre, die Elizabeth von York an der Seite ihres Gatten verlebt. Und fast alle schildert sie Philippa Gregory, die wohl erfolgreichste Erzählerin zum Theme Rosenkriege, in ihrem Buch „Das Erbe der weißen Rose“. Ausgespart bleibt lediglich das Ende: Eine letzte Schwangerschaft und der Tod im Kindbett. Das hätte diesem Zeitpanorama aber auch kaum noch essenzielles hinzuzufügen gehabt. Den eigentlich, trotz der weiblichen Perspektive, geht es hier um die Machtfestigung des Hauses Tudor. Und die war mit der Hinrichtung der letzten Thronanwärter (oder Prätendenten) erst einmal – zumindest nach außen hin – erfolgreich bewältigt. Natürlich ist die ein oder andere Episode mehr historisch glaubwürdige Behauptung als wissenschaftliche These, aber schließlich sprechen wir hier auch von einem Roman, keinem Fachaufsatz. Trotzdem vermittelt Gregory viel Kenntnis und Liebe zur Geschichte in ihren Romanen zu den starken Frauen am Hof der englischen Könige.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Philippa Gregory. Das Erbe der weißen Rose.
9,99 Euro. rororo.

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