The Son of No One: „Ein Mann muss lernen mit Scheiße zu leben.“

Und Scheiße gab und gibt es genug im Leben von Jonathan. Aufgewachsen bei der Großmutter in einem sozialen Brennpunktviertel schikaniert und vernachlässigt, hat er es zu bescheidenem Wohlstand mit Heim, Familie und Arbeit als Polizist gebracht. Doch die Linie, die altes und neues Leben trennt, ist schmal und brüchig … Trotz beachtlicher Starbesetzung hat es der Film bei uns nicht in die Kinos geschafft, dafür aber jetzt in die DVD-Regale.

Wer ist hier eigentlich Täter?

Wir waren jung …

Jonathan (Tatum) lebt mit Frau (Holmes) und Tochter im Umland von New York. Als Polizist ist er scheinbar in die Fußstapfen des Vaters getreten. Da wird er in dessen altes Revier versetzt und in ihm kommen Erinnerungen an eine harte Kindheit und eine traumatische Jugend hoch. Nicht genug, dass er beginnt sich erneut selbst zu quälen, erscheinen in der lokalen Zeitung plötzlich Drohbriefe, die Bezug nehmen auf zwei ungeklärte Morde, die 16 Jahre zurückliegen. Journalistin Loren (Binoche) beginnt nachzuforschen.

Bedrohlich wird sie in den Rückblicken dargestellt, die Welt in der Jonathan aufwächst. Wo die Junkies durchs Treppenhaus torkeln und dein bester Freund regelmäßig in der Psychiatrie ist, weil er Stimmen hört. Warum genau der Junge bei der Großmutter an diesem gottverlassenen Ort aufwächst wird nicht im Detail geklärt. Der Vater ist aber auf jeden Fall tot – wohl im Dienst gestorben. Deshalb hat sich auch sein ehemaliger Partner (Pacino) zu einer gewissen Unterstützung verpflichtet gefühlt, als Jonathan unbeabsichtigterweise sein Leben zu verpfuschen schien.

Journalistin Loren lässt nicht locker.

Abgründe und Heldentaten

In aktuellen Filmen über die Polizeiarbeit gehört es ja fast schon zum guten Ton sich kritisch zu äußern, die Heldenfassade zu durchdringen und fiese Machenschaften aufzuzeigen. So gesehen reiht sich ‚The Son of No One“ gut ein in den modernen Cop-Film. Die Polizisten sind korrupt, die Lage aussichtslos, die Menschen verbittert und gewalttätig.

Kein Gute-Laune-Film, aber trotz des früh aufgeklärten „Rätsels“ nicht unspannend erzählt Dito Montiel von einem Leben, das eigentlich von Anfang an verpfuscht ist. Hinter der Fassade des braven Familienvaters tun sich ähnliche Abgründe auf, wie hinter der des designierten Polizeichefs. Unschuldige Opfer gibt es praktisch nicht. Harter Tobak.

Gisela Stummer (academicworld.net)

The Son of No One

Regie: Dito Montiel
Darsteller: Channing Tatum, Katie Holmes, Al Pacino, Juliette Binoche, Ray Liotta
Von Studiocanal, freigegeben ab 16 Jahren

Stand November 2011
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