The New York Thing

Manhattan Madness: Neues von Übersee

Katharina Ohana, Psychologin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Diese Woche war ich auf einer Party. Es ist immer noch Fashion-Week hier in New York. Die Party war nett, wenn man dieses „schöne-Menschen-stehen-auf-einer-Dachterasse-um-einen-Pool-herum-Ding“ mag …

Jedenfalls würden es die New Yorker selbst so beschreiben. „Oh, you met Leonardo DiCaprio, nice, when you like this blond-movie-star-thing …“ oder: “Oh, you went uptown with the helicopter, nice, when you like this flying-above-the-rush-hour-thing …”

Auf der Party waren natürlich nur wichtige Leute beziehungsweise die richtigen Leute, was mich überlegen ließ, was die wichtigen oder richtigen Leute sind. Natürlich sind das Leute mit Macht und Geld und natürlich Prominente aus Film und Fernsehen. Und natürlich schöne Leute. Aber so funktioniert das hier nicht in New York, denn hier gibt es nur wichtige und schöne Menschen, weshalb ich auch erst mal eine Stunde in einer drängelnden Menschentraube voller schöner, wichtiger Leute vor der Tür stand und nicht rein kam: Ich war falsch angezogen (man kann hier sexy oder cool angezogen sein, aber auf keinen Fall langweilig), ich hatte die falsche Brille, die falsche Tasche, die falschen Schuhe sowieso.

Zum Glück hat mich ein Freund eingesammelt, dem großen schwarzen Türsteher versichert, dass ich somehow berechtigt wäre heiligen Boden zu betreten und dann saß ich zwischen lauter Leuten auf Liegestühlen um einen Pool herum, die die ganze Zeit schauten, ob die anderen schauen. Und ich hab wohl am meisten geschaut, vielleicht weil ich es unbedingt begreifen wollte, dieses „Party-Ding“. 

Sicher: Ich war früher auch schon mal in Deutschland und anderswo auf Partys. Vielleicht bringt es das Alter mit sich, dass man sich fragt: Warum? Es war zu laut zum Reden, es war auch eigentlich zu dunkel, um viel zu sehen, selbst mit Fielmann-Brille. In solchen Momenten stellt sich mir dann immer die Frage: Was will die Menschheit? Offensichtlich wollen sehr viele Menschen auf solchen Partys sein, sie strengen sich an, um in New York zu überleben oder sogar etwas Tolles zu leisten. Sie strengen sich an, etwas Besonderes zu sein, um dann in der Masse der Besonderen stehen zu dürfen und sich besonders zu fühlen: „If you can make it there, you can make it anywhere…“. Es drückt permanent die Angst, andere könnten noch besonderer sein. Und irgendwie drängt sich mir hier immer die Frage auf: Sind sie glücklich, die New Yorker? 

Sicher: Man kann hier in New York glücklich sein, wenn man auf das „Ich-liebe-es-ständig-zu-kämpfen-Ding“ steht oder auf das „Hoffentlich-ist-keiner-noch-cooler-als-ich-Ding“. Ja, ich glaube, dann kann man hier echt glücklich werden. Aber vielleicht hab ich New York auch einfach noch nicht begriffen … auch wenn ich es hier ganz toll finde, wie alle in ihrem „Touristen-Ding“. Meine Güte: Nur eine einzige von den hundert Bars hier, wäre in jeder anderen Stadt der absolute Renner …

Und übrigens ich hab heraus gefunden, was sie mit den alten Leuten machen hier in TriBeCa: Sie werden sonntags dekorativ auf Bänke in den Park gesetzt und schauen den Hunden und Kindern beim Spielen zu. Dann werden sie wohl unter der Woche irgendwo anders aufbewahrt. Allerdings hab ich jetzt ein neues Rätsel: Bei all den vielen Hunden hier … warum sieht man keinen Hundemist auf der Straße?

Von Katharina Ohana

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