Tapsig und unbeholfen? Von wegen!

Doch genau so werden sie von vielen von uns gesehen: Pinguine. Dass die kleinen Vögel jedoch ziemlich hart im Nehmen sind und allerlei Strapazen bei der Aufzucht ihrer Jungen auf sich nehmen, wissen wir oft gar nicht. Die dreiteilige Dokumentation „Pinguine hautnah“ widmet sich drei Arten: Kaiser-, Humboldt- und Felsenpinguinen.

Kaiserpinguine schützen ihre Jungtiere vor der eisigen Kälte. Alle Bilder: © Polyband

Mit neuester Kameratechnik begleitet die Doku von Regisseur John Downer die wohl drolligsten und gleichzeitig härtesten Vögel der Welt bei der Aufzucht ihrer Jungen – vom Schlüpfen aus dem Ei bis hin zu ersten Ausflügen in die Wellen der See. Der Clou: Kamera- und Ei-Pinguine sind buchstäblich hautnah mit dabei. So entstanden faszinierende Bilder aus nächster Nähe, die ganz neue Einblicke in das Sozialverhalten der verschiedenen Arten ans Licht gebracht hat. Zum Beispiel versuchen kinderlose Kaiserpinguin Weibchen die Jungvögel anderer Weibchen zu stehlen, wenn sie ein einzelnes Küken entdecken und die Mutter gerade nicht in der Nähe ist. So wird die Zuneigung der „Nicht-Mütter“ zu einer echten Bedrohung für die Kleinen, da sich gleichzeitig mehrere kükenlose Weibchen im wahrsten Sinne des Wortes darauf stürzen und sie mit ihrer Liebe zu erdrücken drohen.

Hüpfend klettern – wie dieser Felsenpinguin

Vögel, die nicht fliegen können – aber klettern!

Beeindruckend anzusehen sind vor allem die Fähigkeiten der Felsenpinguine, die einen mit ihren roten Augen und den gelben „Haarsträhnen“ auf dem Kopf sofort für sich einnehmen. Diese Art lebt an den sturmumtosten Steilküsten der Falkland Inseln. Haben sie es geschafft, trotz haushoher Wellen an Land zu gelangen, „klettern“ – im Sinne von hüpfen – sie die felsige Küste empor, um auf ein Plateau zu gelangen, auf dem dann genistet wird.

Auch hier lieferten Kameras in Pinguin- und Felsenatrappen erneut tolle Einblicke in all die Strapazen und Herausforderungen, die die Vögel auf sich nehmen. Manch ein Vogel machte sich auch kurzerhand die Felsenkamera zu Nutze und ließ sich von ihr ein Stück mitnehmen.

Erstaunlich vor allem die Tatsache, dass die Kameras von den Pinguinen stets sofort akzeptiert wurden – sei es nun eine Pinguinatrappe, ein Felsen, ein Ei oder ein Küken. Die wohl beeindruckendsten Bilder lieferte dabei ein Raubvogel, der eine der Ei-Kameras für ein richtiges Ei hielt und sich seine „Beute“ kurzerhand stahl. So entstanden faszinierende Luftaufnahmen von der gesamten Kolonie der Felsenpinguine, die das Plateau oberhalb der Steilküste für sich eingenommen hatten.

Humboldtpinguin bei der Aufzucht seiner Jungen

Kampf ums Überleben – jeden Tag

Neben all der Drolligkeit der Vögel, vergisst die Dokumentation aber auch nicht zu zeigen, wie hart das Leben der einzelnen Arten wirklich ist und welchen Gefahren sie tagtäglich ausgesetzt sind. Vom Moment des Schlüpfens an über den ganzen Prozess des Heranwachsens und darüber hinaus führen Pinguine einen täglichen Kampf ums Überleben.

Ob es die Humbuldtpinguine betrifft, die in der trockenen Atacama Wüste zu Hause sind und die vor jeder Jagd ein Meer von Seelöwen zu durchqueren haben, oder die Küken der Kaiserpinguine, für die ein Ausflug aus der Brutfalte der Eltern ein Spiel auf Leben und Tod werden kann, da in der Arktis von jetzt auf sofort eisige Stürme aufziehen können – die Dokumentation beleuchtet auch diese Momente, wenn es für die Vögel knapp wird – oder jede Hilfe zu spät kommt. Man fiebert jedes Mal regelrecht mit, wenn ein Pinguin Gefahr läuft, die nächsten Minuten nicht zu überleben und hofft, dass er es doch schafft.

Ein Leben am Limit

Ein Blick auf den faszinierenden Dreiteiler „Pinguine hautnah“ lohnt sich definitiv. Selbst wenn man sich bisher nicht allzu sehr für diese Vogelart interessiert hat – spätestens, wenn man mehr über sie und ihren beeindruckenden täglichen Überlebenskampf weiß, wird man sie lieben. Und definitiv mit anderen Augen sehen. Denn Pinguine sind mehr als bloß putzig, drollig und unbeholfen. Sie sind knallharte, zähe Kämpfer, die jeden Tag den unwirtlichsten Lebensbedingungen trotzen müssen – meist auch mit Erfolg. Genau das vermittelt die Dokumentation eindrucksvoll und mit tollen Bildern.

PINGUINE HAUTNAH

Regie: John Downer

Seit Mitte Dezember als DVD erhältlich

Julia Schwarzbauer (academicworld)

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