Susan Abulhawa: Während die Welt schlief

Henning Mankell schrieb über das Buch „Während die Welt schlief“ von Susan Abulhawa: „Nie zuvor habe ich einen so fesselnden Roman über Palästina und Israel gelesen. Mit seiner Fülle von Einblicken hat er mich auf eine Weise berührt, wie es nur große Werke vermögen.“

 

 

Buchcover: “Während die Welt schlief”

Ende der Idylle

Als Hasan Abulhija das schöne Beduinenmädchen Dalia zur Frau nimmt, ahnt niemand in dem kleinen Dorf Ein Hod, dass das nicht das erschütterndste Ereignis des Jahrhunderts bleiben wird. Erst als wenige Jahre später Israelis das Dorf überfallen und die Familien gewaltsam aus ihrer Idylle zwischen Olivenbäumen und Traditionen vertreiben, beginnt der wahre Schrecken. Die Bewohner  finden im Flüchtlingslager Jenin eine Unterkunft, in der ihr Leben von Krieg, Armut und Willkür beherrscht wird. Hier wird auch Hasans Tochter Amal geboren. Sie wird als junge Frau das Glück haben, dank eines Stipendiums in den USA ein neues Leben fern der Gewalt, die ihre Kindheit bestimmt hat, aufbauen zu können. Aber wie kann man eine Welt hinter sich lassen, die man im Herzen mit sich trägt?

 

Autobiographisch?

Selten hat ein Buch über die Geschichte Palästinas so berührt, wie „Während die Welt schlief“, von Susan Abulhawa. Sie versteht es, die Geschichte einer Familie über vier Generationen dermaßen eindrucksvoll zu schildern, dass man sich am Ende nicht sicher ist, ob es sich nicht gar um die eigene Familiengeschichte gehandelt hat. Die Charaktere sind, nicht zuletzt durch den großzügigen Gebrauch arabischer Wörter und Sätze, so lebendig, dass man meint, die Hand ausstrecken und sie berühren zu können.

 

Blumiger Schreibstil

Ja, das grauenhafte Schicksal, dass diese Familie heimsucht, ist manches Mal so geballt, dass die Glaubwürdigkeit ins Wanken gerät. Und ja, der Schreibstil ist stellenweise so blumig, dass er droht, ins Kitschige zu kippen. Aber diese kleinen Schönheitsfehler sind alle verziehen und vergessen, weil man so in der Geschichte lebt, dass man den objektiven Überblick verliert.

Bangen an der Grenze.. ; © dpa

Keine leichte Kost

Trotz aller Begeisterung: der Leser muss sich auf eine harte Lektüre gefasst machen. Das Leben im Nahen Osten ist über Jahrzehnte von Gewalt geprägt worden, und Abulhawa nimmt kein Blatt vor den Mund. Trotzdem weiß sie, Maß zu halten. Sie schildert, was geschildert werden muss, ist dabei aber keinen Moment reißerisch und lässt sich nicht dazu herab, Sensationsgier zu befriedigen.

Irritationen möglich

Das einzig wirklich Irritierende an dem Buch ist Abulhawas Angewohnheit, scheinbar konzeptlos die Erzählperspektive zu wechseln. Vom auktorialen zum Ich- Erzähler mag noch angehen, auch wenn selbst dann ein erkennbares Muster wünschenswert ist, aber dass auch Yussuf, Amals großer Bruder, sich in einigen wenigen Kapiteln überraschend zu Wort meldet, ist nicht immer gleich zu erkennen, verwirrend und dazu überflüssig.

 

 

Fazit:

Auch wenn man nicht vergessen sollte, dass „Während die Welt schlief“ nur eine Seite eines uralten Konflikts schildert, so ist es doch ein wunderbares Debüt, dass Vorfreude auf weitere Werke aus Susan Abulhawas Feder weckt. Hoffen wir, dass es bald soweit sein wird. Insha’allah, so Gott will.

(Katharina Baumfeld, academicworld-userin)

 

432 Seiten

Diana Verlag (Erscheinungstermin: 28. März 2011)

€ 19,99

 

 

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