Süßer Zahn?

Kochbücher gibt es viele, Backbücher fast noch mehr. Nicht in jedem finden sich neue oder durchgängig interessante Rezepte. Jetzt aber gibt es Tartes & Tartelettes – geniale, französische Kuchen und Küchlein für jedermann!

Das Cover verspricht viel. Bunte Küchlein aller Coleur, da kann ja fast die EU nicht mehr mithalten. Ob Aurélie Bastian bei all den Vorstellungen, die die Gaumen jetzt schon hegen, mithalten kann?

Das Buch beginnt mit einer übersichtlich gestalteten Anleitung, wie man jeden Tarteteig herstellt und backt. Denn bei Tartes und den Miniaturausgaben – Tartelettes – kommt es vor allem auf die Füllung an! Nur manchmal wird ein Teil des Mehls beispielsweise durch gemahlene Mandeln ersetzt. Es lohnt also, sich die Rezeptangaben genau anzusehen. Kleiner Erfahrungswert: Für den ersten Backgang mit Hülsenfrüchten eignen sich beispielsweise auch Linsen.

Die Füllungen werden im Anschluss vorgestellt – und es gibt ihrer viele. Von süßen zu sauren Früchten, von Schokoladenganache bis Cremes und Nüsschen mit Karamell. Nicht zu vergessen Kastanien, Rosenblätter, Veilchen, Müsli … Dazu kommt die vielseitige Dekoration, denn von kandierten Früchten bis hin zu Macarons (!) lässt sich quasi alles verwenden, das essbar ist und dem eigenen Geschmack gefällt.

Die Wahlzutaten zusammen getragen ... © Bettina Riedel

Die Wahlzutaten zusammen getragen … © Bettina Riedel

... und eine fruchtig-süße Tarte gezaubert. © Bettina Riedel

… und eine fruchtig-süße Tarte gezaubert. © Bettina Riedel

Man braucht auch nicht unbedingt Tarteformen. Wer stilvollende Tartes haben möchte schon eher, aber sonst kann man sich auch gut mit runden Springformen oder Steingutformen behelfen. Dazu einfach den zu hoch stehenden Teig auf die entsprechende „Tartehöhe“ herunterkürzen. Jetzt ist so manchem Single eine ganze Tarte vielleicht zu viel oder nicht genug Spiel und Spaß für den inneren Spieltrieb – für euch schafft das Buch auch Abhilfe: Mini-Tartelettes. Markenzeichen: vielseitig gestaltet und mit dem bekannten Happs schon im Schlund entschwunden. Fast so schön wie Weihnachtsplätzchen zu dekorieren.

Positiv ist auch, dass die Füllungen quasi beliebig tauschbar sind. Wer unter seiner Linzer Tarte mit Roter Grütze noch eine weiße Schokoladencreme haben möchte, kann die sich aus einem anderen Rezept einfach mopsen. Damit ist der geneigte Hobbykoch nicht zwangsläufig an jedes einzelne Rezept gebunden und kann fröhlich vor sich hin mischen und testen – vielleicht sogar althergebrachte Rezepte aus dem eigenen Erfahrungsschatz aufpeppen? Genau das ist ein Markenzeichen wirklich guter Kochbücher: Sie geben nicht nur Anleitungen, sondern inspirieren und sorgen für mehr Kreativität in der Küche.

Meine Version der Linzer Tarte mit etwas gröberen Mandeln im Teig. © Bettina Riedel

Meine Version der Linzer Tarte mit etwas gröberen Mandeln im Teig. © Bettina Riedel

Das Buch endet so informativ, wie es begonnen hat. Es gibt zunächst eine Fragensammlung, in der einige der wichtigsten Fragen beantwortet werden, die man als Backanfänger so haben könnte. Es schließt mit Umrechnungsmengen des Tarteteigs – soll heißen, je nach Formgröße sollte man mehr oder weniger Tarteteig zubereiten. Damit ihr am Ende nicht mit einem Teigklotz am Bein dasteht. Rundum gelungen!

… und mit der süßen Aufmachung ist das Buch nicht zuletzt auch eine tolle Geschenkmöglichkeit für all die Hobbybäcker in unserem Lande.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Aurélie Bastian. Tartes und Tartelettes.
Bassermann Inspiration. 12,99 Euro.

Share.