Stürmische Zeiten

Emily Brontës “Sturmhöhe” zählt zu den bekanntesten Liebesgeschichten der Welt. Das einzige Buch der mittleren Brontë-Schwester, ohnehin ein eher kantiges Werk dieser Kategorie, wurde durch die filmische Vision von Andrea Arnold – sonst Expertin für sozialrealistische Dramen – nicht unbedingt gefälliger. Interessant aber allemal. Ab 14. Februar auf DVD im Handel.

Stürmische Zeiten
Die unbeschwerten Zeiten sind schnell vorbei. © Prokino

Zwischen Liebe …

Eine der großen unerfüllten Lieben der Literaturgeschichte: Heathcliff, der verwaiste Ziehsohn, der in Liebe zu seiner „Schwester“ Catherine entbrennt und weil er sie nicht haben kann, werden viele Leben zerstört.

Mitte des 19. Jahrhunderts. Bauer Earnshaw (Paul Hilton) liest in den Straßen Liverpools einen Jungen ohne Zuhause auf (Solomon Glave, später: James Howson), nimmt ihn mit, gibt ihm den Namen Heathcliff und zieht ihn wie einen Sohn auf. Mit der Ziehschwester Catherine (Shannon Beer, später: Kaya Scodelario) verbindet ihn schnell eine Freundschaft, bald auch mehr, mit dem „Bruder“ Hindley (als Erwachsener: Lee Shaw) eine tiefgreifende Feindschaft. Als der Vater stirbt, behandelt Hindley ihn wie einen Sklaven. Als er erfährt, dass Cathy ihn zwar liebt, die Liebe aber aus Angst vor dem gesellschaftlichen Abstieg nicht auszuleben gedenkt, verschwindet er ohne Abschied. Jahre später und zu Geld gekommen kehrt er zurück. Doch das Wiedersehen mit der mittlerweile verheirateten Cathy steht unter keinem guten Stern.

… und Zerstörung

Eine Liebesgeschichte aus viktorianischer Zeit von einer Frau verfilmen zu lassen, die sagt, dass sie keine Kostümdramen mag, erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich. Daran ändert sich im Verlauf des Films auch nur verhältnismäßig wenig. Verständlich wird die Entscheidung natürlich, wenn man bedenkt, dass es sich hier um die Verfilmung eines sattsam bekannten, schon einige Male auf die Leinwand gebrachte Vorlage handelt. Man wollte also zweifellos im Altbekannten neue Aspekte aufzeigen. Das gelingt zum Teil ganz hervorragend, etwa bei der Besetzung des Heathcliff mit einem – eigentlich ja zwei – dunkelhäutigen Schauspielern, manchmal weniger überzeugend. So ist die modernisierte Sprache eher irritierend, denn dem aktuellen Bezug förderlich. Alles in allem gelingt Arnold aber erneut eine eindringliche, hoch emotionale Studie menschlichen Begehrens und Versagens. Auch ihr hervorragendes Händchen bei der Besetzung mit unbekannten Gesichtern, wie schon im verstörend guten „Fish Tank“, tritt wieder deutlich zu Tage. Harte Kost, aber solche die sich lohnt.

Stürmische Zeiten

Noch eine klitzekleine Anmerkung am Rande: Der Titelsong „The Enemy“ stammt von den aktuell fast unvermeidlichen und kürzlich mit einem Grammy bedachten Mumford & Sons.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Wuthering Heights

Regie: Andrea Arnold
Darsteller: Kaya Scodelario, James Howson, Solomon Glave, Shannon Beer, Steve Evets

Im Vertrieb von Prokino

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