Standortvor(ur)teile

Auch wenn es für viele ein Sehnsuchtsort ist: Das Leben in Hollywoods Glitzerwelt ist kein Zuckerschlecken. Jedenfalls wenn man der bissigen Satire von Starregisseur David Cronenberg Glauben schenken darf. Ab 3. März gibt es „Maps to the Stars“ auf Blu-ray und DVD im Handel.

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Hat sich ins Zentrum des Films gespielt: Julianne Moore als alternde Diva Havana – immer kurz vor dem Durchbruch. © Daniel McFadden / Caitlin Cronenberg

Wie Feuer und Wasser

Eine „Karte zu den Häusern der Stars“ will die junge Agatha (Mia Wasikowska) nach ihrer Ankunft im schillernden Hollywood gerne kaufen. So fremd ist sie dort allerdings gar nicht. Nach Jahren in der Psychiatrie kehrt die verstoßene große Schwester des verwöhnten Kinderstars – mittlerweile Teenie mit Drogenvergangenheit – Benjie Weiss (Evan Bird) – in die vermeintliche Glitzerwelt zurück. Über private Verbindungen wird sie zur persönlichen Assistentin der alternden Schauspielerin Havana Segrand (Julianne Moore). Die ist so einsam wie Ich-bezogen und wird von Visionen ihrer jung bei einem Brand verstorbenen Mutter heimgesucht. Geister der Vergangenheit suchen aber auch den jungen Benjie heim, der – aufgewachsen im Blitzlichtgewitter – sowieso wenig Bezug zum wirklichen Leben hat. Allerdings leben auch seine Eltern (John Cusack und Olivia Williams) kaum brauchbare Werte vor und sind vornehmlich am Geld scheffeln und dem Mehren des öffentlichen Neides interessiert. Die eigenen Leichen im (emotionalen) Keller werden lieber verdrängt. Weil aber die eigenen Emotionen bei allen Beteiligten ziemlich dicht unter der Oberfläche lauern, kann der Mikrokosmos Hollywood die Familie Weiss natürlich nicht allzu lange ohne Kollateralschäden umeinander kreisen lassen. 

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Starregisseur David Cronenberg lässt auch in seinem aktuelles Meisterwerk wieder die Emotionen hoch kochen. Blitzschnelle Gewaltausbrüche treffen auf emotionale Traumata und bitterbösen, schwarzen Humor. Die Auszeichnung von Julianne Moore also beste Schauspielerin im offiziellen Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes 2014 war auf jedenfall absolut gerechtfertigt. Und auch der restliche Cast braucht sich nicht zu verstecken. Dem Kanadier David Cronenberg gelingt mit MAPS TO THE STARS eine Gratwanderung zwischen bissiger Satire und emotionalem Psychothriller und ein höchst unterhaltsamer Blick auf die Glitzerwelt Hollywoods – irgendwo zwischen In- und Outsider.

Gisela Stummer (academicworld.net)

MAPS TO THE STARS

Regie: David Cronenberg
Darsteller: Julianne Moore, Mia Wasikowska, John Cusack, Robert Pattinson

Ab 3. März auf Blu-ray und DVD erhältlich

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