Spieglein, Spieglein …

Der Architekt Johnny macht gerade eine harte Zeit durch – die Trennung von seiner Frau nimmt ihn ziemlich mit. Ein neues Bauprojekt soll ihn von seinem Problem ablenken. In der verfallenen Fabrik findet er ein mysteriöses Zimmer im Keller mit dunkler und vielleicht auch magischer Ausstrahlung. Bald kann er Wahn und Wahrheit nicht mehr voneinander unterscheiden.

Frankreich, 1542. Katharina de Medici, a.k.a. Katharina die Große ist eine zutiefst unglückliche Frau. Obschon sie ihrem Ehemann eine stattliche Anzahl Kinder geschenkt hat, beachtet er sie kaum und stellt seine Liebe zu seiner Mätresse vor dem ganzen Hof zur Schau. Aus Rachsucht beginnt Katharina, sich mit den dunklen Künsten zu beschäftigen – bis sie es schafft, einen Spiegel mit einem Zauber zu belegen und ihn der Mätresse schenkt.

London, Gegenwart. Der Architekt Johnny erhält den Auftrag, eine alte Schuhfirma zu renovieren und in ein Wohnhaus umzuwandeln. Zusammen mit seiner Assistentin entdeckt er einen extra Raum im Kellerareal, in dem ein alter Spiegel hängt und an ihm ein paar handgefertigte Schuhe aus grünem Leder. Schnell zieht die dunkle des Spiegels Aura Johnny, seine neue Freundin Ophelia und Tara in den Bann. Jeden befallen Träume wie Wahnvorstellungen, Johnny erscheint im Schlaf immer wieder eine mysteriöse Frau und die Recherchen von Tara bringen Stück für Stück ein ein jahrhundertewährendes Drama ans Licht.

Die Kritik

Interessant war insbesondere der Unterschied zwischen Erzählart und dem Fantasy-Charakter der Erzählung. Einerseits leben die Personen in der gleichen Welt wie der Leser, sodass die Handlung realistisch erscheint und plausibel. Andererseits natürlich das Magie-Element, das der Handlung einen extra Spin gibt. Diese Mischung macht das Buch lebhaft und steigert die Neugier des Lesers beträchtlich.

Harmonischer Wechsel

In diesem Sinne gelingt Melissa Bailey auch der fortwährende Wechsel in der Erzählweise zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Trotz der Gegensätze bildet sich eine insgesamt harmonische Erzählung.

Auch schön ist das Ende – zwar nähert man sich der Erklärung während des Lesens an, doch hat die Autorin ganz am Schluss eine zusätzliche Überraschung eingebaut, die das „Weltbild“ des Buches noch einmal ordentlich durcheinander würfelt.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Melissa Bailey. Der Spiegel der Medici.
8,99 Euro. insel Taschenbuch.

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