Sommer auf die Ohren

Dem Londoner Musik-Untergrund sind Mumford & Sons längst entwachsen. Dort unternahmen sie einst ihre Schritte als eine der bald gefragtesten Live Bands für Bars & Pubs. Anfang Mai erschien ihr neues Studioalbum: Wilder Minds.

Sie sind die Helden des modernen Folk – Mumford & Sons. Ihrer musikalischen Wiege sind sie mit dem Album „sigh no more“ entstiegen. Das zweite Album „Babel“ war der eigentliche Erfolg und zementierte ihren Folk-Image. Das versuchen sie nun offenbar mit „Wilder Mind“ aufzusprengen.

Das beginnt schon beim bloßen Coververgleich: Was vorher entspanntes, sympathisches Chaos war, ist nun der Ausblick einer leeren Holzbank auf die nächtlich erleuchtete, mondäne Großstadt. Machen Mumford & Sons also jetzt Elektrofunkpop oder eine ähnliche Grausamkeit? Nein, natürlich nicht.

Grundsätzlich bleiben sie ihren Wurzeln treu, auch wenn sie einige Instrumente ausgetauscht haben. Dafür dominiert die markante Stimme von Mumford weiterhin das komplette Album. Sie bauen also nicht vollkommen, beziehungsweise alleinig auf die bisherigen Erfolgsfaktoren auf – es klingt ein bisschen weniger nach amerikanischem Folk (das Banjo ist weg?!). Es ist auch kein typisch britischer Sound (wie soll sowas auch klingen). Manchmal fühlt man sich ein wenig an Elvis erinnert, manchmal an Oasis, manchmal ist es simpler Indie-Pop-Rock – nur mit Marcus Mumfords prägnanter Stimme im Vordergrund natürlich. Es ist im Vergleich zu vorher eine ganze Instanz elektronischer und doch ist es eindeutig eine M&S-LP.

Ein Album, das man nicht auf einer Party spielen würde, weil selbst die peppigsten Songs irgendwie mehr zum Chillen einladen. Super geeignet für laue Abende am See oder bei Picknicks im Grünen, aber kein Album, das sich unauslöschbar in die Gehörgänge einprägen wird.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Mumford & Sons. WILDER MIND.
12 Tracks
Universal Music. Seit dem 2. Mai erhältlich

Mehr unter mumfordansons.com

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