Sind wir nicht alle ein bisschen Geist?

„Die Schwerelosen“ heißt der Roman der jungen Mexikanerin Valeria Luiselli – nun, ohne Anstrengung ist er nicht, aber faszinierend, wirr und kraftvoll.

Sind wir nicht alle ein bisschen Geist?

Zwischen-Leben

Mexikanische Schriftsteller scheitern in New York und anderswo an der eigenen Existenz. So könnte man das zusammenfassen, was Valeria Luiselli in ihrem Debütroman erzählt. Aber dabei würde doch die kunstvolle Verwebung von Zeit- und Erzählerebenen komplett unerwähnt bleiben. Denn die junge Mexikanerin verwebt das Schicksal des Autors Gilberto Owen, der in den 1920ern in New York ist mit dem einer jungen Frau und Mutter, die in der mexikanischen Gegenwart von Ihren jungen, wilden Jahren im Big Apple schreibt. Sie schreibt von Ihrem Leben zwischen Arbeit und Liebeleien, zwischen Betrug und Wahrheit und von ihrer Faszination für den Autor Owen, den sie immer wieder einmal aus dem Augenwinkel heraus zu sehen glaubt – dabei ist er doch längst tot. Je mehr die, in der Gegenwart eher handlungsarme Geschichte voranschreitet, desto mehr mischt sich eine zweite Erzählstimme ein. Es ist der alte, erblindende Gilberto Owen, der von seinen Jahren in New York erzählt und von einer Frau mit dunklen Augenringen, die er immer wieder irgendwo für einen Moment sah … Und beide verbindet das wiederkehrende Gefühl, nur ein Geist im eigenen Leben zu sein.

Das, was einem Luisellli da präsentiert ist verwirrend und faszinierend zugleich. Leicht macht sie es einem mit ihrer Geschichte, die ausreichend Platz für eigene Deutung lässt, nämlich nicht. Immer wieder stellen die Erzähler das eben erzählte in Frage, machen sich glaubhaft und unglaubwürdig zugleich. Dabei zeigt die Autorin eindrucksvoll, dass sie kraftvoll und wahrhaftig erzählen kann.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Valeria Luiselli. Die Schwerelosen
16,95 Euro. Verlag Antje Kunstmann

 

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