Shit happens.

In eurem Leben naht ein Unglück, ihr wisst alles darüber – aber ihr könnt nichts dagegen tun. Getarnt in einer dezenten Liebesgeschichte beschreibt Katherine Howe in „Die Frauen von der Beacon Street“ den Kampf des freien Willens gegen das Schicksal, das alles im Leben fremdbestimmt.

Rezension Katherine Howe
Katherine Howe „Die Frauen von der Beacon Street“

Schlimmer geht immer

Sibyl Allston – eine alte Jungfer, die sich im Boston des Jahres 1915 nach dem Tode ihrer Mutter und ihrer Schwester um den betagten Vater kümmert. Der Bruder? Führt ein skandalträchtiges Leben. Um mit all dem klar zu kommen und etwas Trost zu finden, wendet sich Sibyl an eine Hellseherin. Als ihr Bruder wieder einmal über die Stränge schlägt und aus dem College geworfen wird, muss sie sich auch noch mit diesem Schlamassel befassen. Der sie zu ihrer früheren Liebe führt, die auch nach all der Zeit wieder aufzuflammen scheint … Kurz vor der Überbelastung findet Sibyl den Weg in eine Opiumhöhle. Doch nun scheint sie selbst seherische Fähigkeiten zu entwickeln – was in dieser Welt ist real und was nur ein Traum?

Deklariert durch den Klappentext als Liebesgeschichte fragt sich der Leser zu Beginn, in welcher Erzählung er da eigentlich gelandet ist. Von großen Emotionen ist hier kaum eine Spur. Vielmehr verläuft man sich in Opiumhöhlen, erlebt den Untergang der Titanic, den Beginn des ersten Weltkrieges und den Zerfall einer Familie. Als dann noch übersinnliche Fähigkeiten ins Spiel kommen, kann man gar nicht anders, als flux weiterlesen – man muss einfach herausfinden, wie all dies überhaupt zusammen passen kann.

Ein Buch wie das Erwachsen werden

Das Buch zu lesen ist ein bisschen wie Erwachsen werden. Man fühlt sich in die Personen hineinversetzt, man sieht das Unglück an sie herankommen und egal, wie man das Geschehen dreht und wendet: Es kann nur schlimmer werden.

Ein Buch, bei dem man erst einmal so gar nicht weiß, was man davon halten soll. Mit einem Ende, mit dem keiner gerechnet hat. Insofern bedient die Autorin absolut keine Klischees und lässt den Leser mit einem mulmigen Gefühl zurück. Erst im Nachhinein stellt der Leser fest, wie die Geschichte eigentlich wirklich gelaufen ist und wie bedeutungsschwer das Wissen um die Zukunft wirklich sein könnte. Erzählerisch mit absoluter Perfektion aufbereitet, ist dem Leser eines klar: Es wird eben doch alles anders, als es gerade noch scheint.

Fazit? Absolut lesenswert, auch wenn die eigentliche Bedeutung erst am Ende zum Tragen kommt. Gerade dadurch aber nimmt Katherine Howe noch einmal besonderen Einfluss auf ihre Leser.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Katherine Howe. Die Frauen von der Beacon Street.
19,99 Euro. Page & Turner.

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