Serienmörder an Bord!? Ein Agent ermittelt auf hoher See

Dem Namen nach erinnert er an James Bond – dabei sind die Ermittlungstechniken des Ex-Agenten James Gerald eher mit denen Hercule Poirots vergleichbar. Ein Krimi für alle Agatha Christie-Fans!

Marlies Ferber. Null-Null-Siebzig, Agent an Bord; Rezension

Eigentlich hat James Gerald, ehemaliger britischer Agent der SIS, wenig Lust der Einladung einer alten Dame zu folgen, die ihn zusammen mit einigen Familienmitgliedern und Freunden zu ihrem 90sten Geburtstag auf eine Kreuzfahrt einlädt. Doch weil er schon lange mit ihrer Tochter Sheila gut befreundet ist und sich von dieser Beziehung mehr erhofft, sagt er schließlich zu. Zunächst scheint es eine nette Reise zu werden, bis plötzlich der Ehemann der fast 90 Jährigen spurlos verschwindet und eine männliche, unkenntliche Leiche auftaucht. Und es oll nicht bei einem Verschwundenen bleiben. Befindet sich tatsächlich ein Serienmörder an Bord, der wahllos Menschen ins Meer wirft? 

Um die alte Dame nicht zu beunruhigen, beschließt der Besitzer des Schiffs, die Geburtstagsgesellschaft sowie alle übrigen Kreuzfahrtgäste erst einmal im Ungewissen zu lassen. Doch James hat die Ermittlung längst aufgenommen und lässt sich von dem Mörder nicht so leicht aufs Korn nehmen. Schließlich ist ein richtiger Agent nie im Ruhestand …


Zwischen James Bond und Hercule Poirot

Obwohl James Gerald dem Namen nach in erster Linie eine Anspielung auf James Bond ist, so erinnert er den Leser eher an Agatha Christie’s Hercule Poirot oder Miss Marple. Hier geht es weniger um atemraubende Action, sondern viel mehr um feinen Spürsinn.

Leider kommt die Geschichte erst im letzten Drittel des Buches so richtig in Fahrt. Zuvor plätschert die Handlung mehr vor sich hin, es geht in erster Linie um die Familienzusammenhänge der Geburtstagsgesellschaft und die Beziehung des Helden zu seiner Ex-Kollegin Sheila. Da hätte man sich doch schon früher etwas mehr Action, etwas mehr Bond, gewünscht. Unverständnis regt sich beim Leser auch bei der ein oder anderen Entscheidung der Protagonisten, zum Beispiel warum das Verschwinden zweier Personen so wenig Reaktionen auslöst. Zumindest der ehemalige Agent müsste eigentlich viel früher handeln, doch auch er lässt sich zunächst durch fadenscheinige Erklärungen hinhalten. 

Fazit: Trotz einiger Kritikpunkte handelt es sich um eine witzige, auch spannende Geschichte, die am Ende durchaus unerwartete Wendungen aufweist. An die kniffligen und spannenden Mordfälle der Agatha Christie Storys kommt die Handlung zwar nicht ganz ran – aber für Fans der Spezialistin ist „Agent an Bord“ durchaus lesenswert.

MTS academicworld userin

 

Marlies Ferber. Null-Null-Siebzig, Agent an Bord.
Deutscher Taschenbuch Verlag. 9,95 Euro.

 

 

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