Selbstmordanschlag in Berlin

Der in München lebende Autor C.C. Fischer liefert mit „Nukleus“ erneut Spannung made in Germany die sich sehen lassen kann.

Selbstmordanschlag in Berlin
Tatort U-Bahn © pogobuschel/pixelio.de

Notärztin in Berlin

In seinem zweiten Ella-Bach-Thriller erzählt Fischer von einem Selbstmordanschlag auf eine Berliner U-Bahn. En Detail beschreibt der diesen und die anschließende Rettungsaktionen, bei der die Notärztin Ella Bach mit der Rettung der Verletzen beauftragt wird. Als sie auf dem Bahnsteig um das Leben eines kleinen Mädchens kämpft bemerkt sie aus den Augenwinkeln einen deplatziert erscheinenden Sanitäter, der am Tatort eigentlich nichts verloren hätte.

Die Ungereimtheiten des Anschlags machen Ella Bach zu schaffen und so beginnt sie im Hintergrund herumzuschnüffeln und stößt auf beunruhigende Spuren – diese führen ins Internet und zum Verschwinden ihrer besten Freundin Annika. Es scheint, als sei diese in diverse Geschehnisse verwickelt und in der Folge ohne Spuren einfach verschwunden.

Leichte Verflachung in der Buchmitte

Nach dem hochtourigen Auftakt verflacht die 527 Seiten starke Erzählung zunehmend. Der Autor vermengt die Auswirkungen des Anschlags, Ella Bachs Privatleben und das Verschwinden von Ellas bester Freundin Annika zu einem mäandernden Erzählstrom, der nicht immer weiß, wo er hinwill. Dies ist der Spannung nicht unbedingt zuträglich, doch ohne hier allzu viel verraten zu wollen, kann ich feststellen, dass das letzte Drittel des Buchs wieder einiges herausreißt. Als mir klar wurde, wie der Hase läuft, konnte ich das Buch nicht mehr zur Seite legen und musste die Lektüre beenden, ehe ich schlafen gehen konnte.

Das filmreife Ende entschädigt auch für die phasenweise auftretenden Längen in „Nukleus“ und zeigt, was für ein talentierter Autor in Claus Cornelius Fischer steckt. Natürlich ist es müßig, darüber zu debattieren, warum gerade eine Notärztin nun bereits zum zweiten Mal in eine globale Verschwörung stolpern und diese so gut wie alleine aufklären sollte. Wer sich an den zahlreichen Unwahrscheinlichkeiten nicht stört, die Fischer in seinem neuen Roman auffährt, wird mit einer ebenso spannenden wie aktuellen Lektüre belohnt.

Selbstmordanschlag in Berlin

Ein Krimi mit Botschaft

Die Grundidee, die hinter „Nukleus“ steckt, dürfte jeden Leser, der das Internet und damit auch Google, Facebook und Konsorten häufiger nutzt, zum Nachdenken bringen. Zwar glaube ich noch immer an das Gute im Menschen, doch der Thriller liefert einige Denkimpulse und stark geschriebene Exkurse über das Internet und seine Konsequenzen.

Insgesamt ein lesenswerter und kluger Thriller, der im Gegensatz zu der üblichen Krimi-Dutzendware auch mit einigen Reflektionen und Denkanstößen aufwarten kann. Wer ein wenig aussagekräftiges Cover und kleine Durchhänger in der Mitte des Buches verkraften kann, bekommt mit „Nukleus“ die ganze Dosis: Außergewöhnliche Infos, jede Menge medizinisches Fachwissen und nicht zuletzt ganz viel Spannung – Empfehlung!

Marius Müller (academicworld.net-User)

Claus Cornelius Fischer. Nukleus
14,99 Euro. Blessing-Verlag  
 

Share.