Sehnsucht nach Ägypten

Elizabeth Peters wurde für ihre historischen Romane bereits mit renommierten Preisen ausgezeichnet. Nichtsdestotrotz fehlt ihr in „Tod auf dem Tempelberg“ etwas die Leichtigkeit, die sie sonst so auszeichnet.

Buchcover zu „Tod auf dem Tempelberg“

Riskante Mission

Radcliffe Emerson, der Mann von Amelia Peabody, wird vom britischen Geheimdienst beauftragt, dem Hobby-Archäologen George Morley im Auge zu behalten, der eine Ausgrabung im heiligen Land plant, um die Bundeslade zu finden. Der Geheimdienst vermutet, dass er als Spion für die Deutschen tätig ist. Daher soll Emerson ihm ein bisschen auf die Finger schauen. Morley selbst war kurz vorher in Begleitung eines merkwürdigen Reverends bei Emerson gewesen, um ihn um Hilfe zu bitten. Emerson lehnte ab, da er die Geschichten aus der Bibel für Humbug hält. Dem Auftrag der Regierung jedoch, kann er sich nicht entziehen.

Wiedersehen mit Ramses

Die Damen des Hauses, Amelia und Nefret, sind sofort begeistert, können sie doch so endlich Ramses, Amelias Sohn, wiedersehen, der sich seinerseits auf einer Ausgrabung in Palästina befindet. Dieser hat aber gerade ganz andere Probleme: Eine mysteriöse Deutsche kreuzt seinen Weg und kurz darauf wird er gekidnappt. Wird es Amelia gelingen, ihren Sohn zu befreien und Licht in die ganze Angelegenheit zu bringen?

Kontinuierlicher Erfolg

Seit vielen Jahren ist Elizabeth Peters mit ihrer Krimi-Reihe um die etwas schrullige, viktorianische Archäologin Amelia Peabody und ihre Familie sehr erfolgreich. Wer diesen Band aber als erstes Buch der Reihe in die Finger bekommt, wird das nicht ganz nachvollziehen können.

Ungewohnter Handlungsort

Die Handlung spielt 1910 in Palästina, nicht wie gewohnt in Ägypten. Und es scheint, als ob auch die wesentlichen Wesenszüge der Krimi-Reihe in Ägypten gelassen wurden. Die Charaktere erscheinen sehr blass, von der Witzigkeit und Skurrilität früherer Bücher ist hier recht wenig zu finden. Zwar wird Emerson immer wieder als der „Vater der Flüche“ betitelt, aber warum, das bleibt dem Leser verborgen, denn er hält sich damit doch sehr zurück. Auch Amelia kommt eher als Hausmütterchen rüber, denn als forsche Archäologin. Sie macht sich keine Sorgen, als Ramses nicht wie verabredet zur Gruppe stösst, akzeptiert zu schnell die falsche Nachricht, die ihr die Kidnapper in Ramses‘ Namen zukommen lassen. Das erscheint unlogisch, weiß sie doch, dass ihr Sohn immer wieder in Schwierigkeiten gerät.

Ungewohnte Schwächen

Auch die anderen Figuren sind nicht überragend ausgearbeitet, ihre Rollen im Buch bleiben teilweise recht undurchsichtig und manche hätten schlicht weggelassen werden können. Angesichts der Vielzahl von Charakteren wäre auch ein Personenverzeichnis hilfreich gewesen, um wenigstens Beziehung der Personen aus Amelias engerem Umkreis zueinander aufzufrischen bzw. überhaupt kurz kennenzulernen. Als Erstleser kann man da schnell durcheinander kommen.

Vieles bleibt unklar

Überhaupt bleibt auch die ganze Handlung recht verworren. Welche Ziele verfolgt die mysteriöse Bruderschaft, die für Ramses‘ Schicksal eine nicht unwesentliche Rolle spielt? Was hat es mit der Deutschen auf sich, die nur drei Mal im Buch auftaucht? Wer ist Plato, der Reverend, wirklich? Auch die politischen Hintergründe, die dem Roman zu Grunde liegen, werden nicht näher erläutert. Der Leser muss sich alles mehr oder weniger zusammenreimen. Das trägt nicht gerade zum Lesefluss bei, weil man ständig das Gefühl hat, irgendwas wichtiges überlesen zu haben.

Wo bleibt die Spannung?

Auch der Schreibstil offenbart nicht die gewohnte Leichtigkeit und Spritzigkeit. Vieles wirkt eher gezwungen. Stellenweise ist es sehr langatmig, auch wenn der ständige Perspektiv-Wechsel (mal erzählt Amelia, mal ist die Geschichte aus Ramses‘ Sicht geschildert) für Spannung sorgen soll. Leider mit wenig Erfolg.

Fazit: Es bleibt zu hoffen, dass „Tod auf dem Tempelberg“ nur ein vorübergehendes Formtief der Autorin war, denn sie kann es definitiv besser. Vielleicht lag es auch nur am Handlungsort: Elizabeth Peters scheint, genau wie Amelia Peabody, in Ägypten mehr zu Hause zu sein.

„Lass uns heimfahren.“
„Zurück nach England?“ Zwischen seine dunklen Brauen schob sich eine steile Falte. „Jetzt?“
„Nein, mein Schatz. Nach Hause. Nach Ägypten.“

Ines Kubatzki (academicworld-Userin)

Elizabeth Peters. Tod auf dem Tempelberg
19,99 Euro. Ullsteinbuchverlage


Stand: Winter 2012
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