Schöpferische Verantwortung

Ein Science-Fiction-Drama aus Spanien? Kike Maíllos „EVA“ liefert den Beweis, dass das ein Kombination mit Potenzial sein kann. Der Film mit Daniel Brühl waren in 12 Kategorien für den spanischen Filmpreis Goya nominiert – einige hat er auch abgeräumt. Ab 26. Oktober auf DVD und Blu-ray.

Schöpferische Verantwortung
Alex versucht in Robotern Emotionen zu wecken. Stattdessen wecken die Roboter Emotionen in ihm. © Universum Film

Leben am Abgrund

Der Einstieg ist drastisch: Eine Frau klammert sich mit letzter Kraft an der rutschigen Kante eines Felsvorsprungs fest. Plötzlich nähert sich ihr jemand aus dem verschneiten Wald heraus, sie schreit, fällt vermutlich. Schnitt. Ein kleines Mädchen läuft auf ein Haus zu, möglicherweise ganz in der Nähe – auch hier ist alles von Schnee überzogen – und klopft. Ein junger Mann öffnet ihr, fragt sie wo ihre Mutter sei. Die Frau vom Abgrund?

Alex (Daniel Brühl) ist ein begabter, junger Cyber-Ingenieurs. Als er den Auftrag erhält einen Kinder-Roboter zu entwickeln, ist er zunächst engagiert dabei, verschwindet aber plötzlich, bevor das Projekt zu Ende geführt ist. Er lebt in einer Welt, das wird schon am Anfang klar gestellt, in der kreatürliche Roboter mit einem emotionalen Gedächtnis an der Tagesordnung sind. Er spricht sogar von der Seele der mechanischen Kreaturen, hat immer ein schlechtes Gefühl, wenn er eine robotorisierte Versuchsexistenz zerstören muss, weil er regelrecht emotionale Bindungen mit seinen Schöpfungen aufbaut.

Schöpferische Verantwortung
Lana und Alex haben viel gemeinsam … © Universum Film

Unterkühlte Gefühle

Weniger Bindung fühlt Alex seinem Bruder David (Alberto Ammann) gegenüber. Früher haben sie zusammengearbeitet. Die dritte im Bunde war Lana (Marta Etura), einst die Freundin von Alex, mittlerweile die Frau von David.

Abgesehen von der traumartigen Schlusssequenz ist diese filmgewordene Zukunftsvision in einer Welt aus Schnee und Eis angesiedelt. Eingefroren scheinen dann oft auch die Beziehungen und Gefühle der Menschen zu sein. Nur Eva, Lanas Tochter, wirbelt voller Neugier und Energie durch die Szenerie. Vor allem Alex, der geniale Tüftler, der gewohnt ist, mit einem Gedanken, einem Handgriff, die Dinge zu kontrollieren, tut sich schwer mit den Menschen, zieht sich gern zurück. Bis eben Eva kommt. Zu ihr scheint er eine ganz besondere Beziehung zu haben. Kein Wunder, dass er mit ihr als Vorbild die Identität des Kinder-Roboters gestalten will. Lana aber ist dagegen. Als Alexs alte Gefühle für die Frau seines Bruders wieder erwachen gerät die Lage außer Kontrolle …

Mensch-Maschine

Die Vorstellung vom Maschinen-Mensch begleitet die Filmgeschichte mindestens seit Metropolis. Immer war dabei die Beziehung zwischen Schöpfer und Schöpfung eine ganz spezielle. Auf diesen bewährten Topos greift auch „EVA“, das Regiedebüt des Spaniers Kike Maíllo, zurück.

Schöpferische Verantwortung

„EVA“ ist eine Geschichte von Verantwortung und Verpflichtung, die sich der Frage annähert, worauf sich eigentlich unsere Gefühle begründen und ob freier Willen nur dem Menschen zusteht. Maíllo kleidet diese Themen in eine märchenhafte Atmosphäre und ruhige Erzählweise, durch die leider die Spannung über längere Phasen etwas auf der Strecke bleibt. Doch vor allem die Arbeiten am „Robotergehirn“ sind optisch beeindruckend umgesetzt und das Schauspielensemble weiß durch überzeugendes Spiel in seinen Bann zu ziehen. Und soviel sei gesagt: Der Name Eva kommt nicht von ungefähr.

Gisela Stummer (academicworld.net)

EVA. Gefühle lassen sich nicht programmieren

Regie: Kike Maillo
Darsteller: Daniel Brühl, Marta Etura, Alberto Ammann, Claudia Vega

Ab 26. Oktober 2012 als DVD, Blu-ray und Video on Demand im Verleih von Universum erhältlich.

 

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