Schlechte Kindheit? Kann er!

Gott ist also kein Zigarettenautomat – na wenn das mal keine Weisheit ist, die man sich gerade als Kind gut merken kann. Beigebracht wird sie Thomas vom Pfarrer der Dorfgemeinde, in der er im Pott lebt. Weder bekommt man bei Gott, was man möchte, noch löst sich das in Rauch auf, was man letztendlich von ihm erhält. Das muss Thomas schmerzlich feststellen, als sein Bruder ermordet aufgefunden wird.

Kann trockener Humor helfen, eine schlechte Kindheit zu überwinden?
Kann trockener Humor helfen, eine schlechte Kindheit zu überwinden?

Thomas Sieben ist ein reichlich pragmatischer Vierzehnjähriger. Die Familie lebt von Sozialhilfe in angespannten Verhältnissen in einem Dorf. Doch das ist nicht sein eigentliches Problem: Bei einem Spaziergang mit seinem Freund Malik entdeckt er die Leiche seines Bruders im Bach – inklusive großer Beule am Hinterkopf. Die Behörden beginnen träge mit der Ermittlung. Als er zufällig einige rechte Jugendliche des Dorfs zufällig mit dem Ring seines Bruders sieht, beschließt er, selbst zu ermitteln. Als wäre das nicht genug, wird seine Mutter zwischen Feueralarm und Polizeiverhören ins Krankenhaus eingeliefert.

Play by plot

Dann tritt da noch die Rheinbraun AG auf den Plan, die das Land samt der Häuser zum Kohleabbaugebiet erklärt. Seine Schwester verlässt daraufhin das alte Schulhaus, in dem die Familie Sieben wohnt und lässt Thomas allein zurück. Der sich nun mit dem Jugendamt, der Polizei und seinem Freund herumschlagen muss, weil letzterer die Fronten gen rechts gewechselt hat. Ohne sein Zutun verwickelt er sich immer weiter in einen Schlammassel, an dessen Ende nur eines stehen kann: Zu wissen, wer der Mörder seines Bruders ist. Obwohl: Ein Familiengeheimnis kommt auch gleich noch mit ans Licht. Wie das eben so ist am Dorf.

Spießrutenlauf

Der Weg von Thomas ist mit Fettnäpfchen gespickt, da hätten andere Personen schon lange resigniert. Aber er gibt nicht auf und verfolgt sein Ziel unbeirrt weiter – auch wenn der Pfad ihn erst mal für ein paar Wochen unter eine Brücke führt.

Der Autor erzählt in seinem Romandebüt aus der Sicht des Jungen eine Geschichte, die aufwühlender und politisch aktueller nicht sein könnte. Sein Ton dagegen ist ruhig, besonnen, gar pragmatisch. Dieser Gegensatz irritiert – und macht neugierig. 

Streckenweise ist der Text stark umgangssprachlich, aber das wirkt weniger herausfordernd, als es vielmehr der Erzählung gerecht wird. Auch wenn der Roman vor reichlich trockenem Humor strotzen möchte, so kam mir manchmal nur ein Lächeln über die Lippen. Erschütternd ernst ist die Sache, unwiderstehlich witzig – wie beworben – dahingegen nicht. 

Bettina Riedel (academicworld.net)

Matthias Gerhards. Gott ist kein Zigarettenautomat.

19,99 Euro. Knaus & Ko

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