Schizophrenie ahoi!

Er ist ein liebenswürdiger, allerdings etwas schizophrener junger Mann. Er hat einen gutmütigen Hund und einen nicht ganz so kuscheligen Kater. Zusammen bilden den Mittelpunkt des Films „The Voices“. Akzeptabel-makaber oder übertrieben?

Hochkarätig besetzt ist er, makaber-unterhaltsamen Spaß voll schwarzem Humor soll er bieten, der so trocken ist wie frisches Katzenstreu: Jerry ist ein freundlicher Zeitgenosse. Er lebt in einer amerikanischen Kleinstadt („Miltooooon!“) und hat gerade einen Job in einer Badewannenfabrik angefangen, der ihm großen Spaß macht. Er ist ein simpler Junge. Zu seinem Glück braucht er nur noch die perfekte Frau.

Ansonsten wird sein Leben bestimmt von der Beziehung zu seinen Haustieren und – was seine Kollegen nicht wissen – von den gerichtlich angeordneten Sitzungen bei seiner Psychotherapeutin (Jacki Weaver). Die soll sicherstellen, dass er regelmäßig seine Medikamente einnimmt, um dem schizophrenen Jerry einen geregelten Alltag zu ermöglichen. Doch unter Einfluss der Arzneimittel muss seine sonst so bunte und heitere Welt der Realität weichen – sie wird grau und trist. Er setzt die Pillen eigenmächtig ab.

Jetzt kann sich der etwas einsame Jerry außerdem mit seinen Haustieren unterhalten. Fortan versuchen der gutmütige Hund Bosco und der zutiefst bösartiger Kater Mr. Whiskers, sein Denken und Handeln in gegensätzliche Richtungen zu beeinflussen. Als er sich in seine sexy Kollegin Fiona (Gemma Arterton) verliebt und ein missglücktes Date ein tragisches Ende mit einer Verkettung unglücklicher und kaputter Zufälle nimmt, gerät Jerrys Leben völlig außer Kontrolle.

Die Kritik

Wie schwarz darf schwarzer Humor sein? Grey hatte auch seine fünfzig Abstufungen – eine Betrachtungsweise, die THE VOICES nicht geschadet hätte. Es muss nicht immer alles so extrem wie möglich gedreht und gestaltet werden. Der Grund für das Unbehagen angesichts der blutigen Mordszenen ist simpel: Mit jedem Backflash in die Realität wird dem schizophrenen Zauber seine Glitzerdecke entzogen. Der Zuschauer fällt zurück in die echte Welt und die Unterschiede sind extrem. Und wenn man eine Sekunde darüber nachdenkt, ist das alles nicht mehr witzig. Man beginnt, den Hauptcharakter zu bemitleiden und sich ein bisschen zu gruseln – denn könnte es nicht sein, dass…?

Die Schauspielleistung ist großartig. Gemma Arterton als die leicht bitchige Kollegin, die trotzdem eigentlich nur die große Liebe finden will und nicht allein sein. Anna Kendrick, die heimlich in Jerry verliebt ist oder vielleicht nur ein gutes Herz für den offensichtlich leicht zurückgebliebenen Typ übrig hat. Ryan Reynolds selbst hat den perfekten Welpen-Blick drauf, während er sich halb  tollpatschig, halb elegant durch sowohl seine als auch die echte Welt wandert.

Auch die optische Gestaltung ist eigentlich hitverdächtig: Die Fabrik heißt ganz klassisch amerikanisch Milton, sie tragen rosane Arbeitsoveralls (!), der Schauplatz ist abgelegen auf dem Land, sodass quasi jeder einen Truck fährt. In der Firma hängen Motivations- und Sicherheitsschilder, die stark an die 60er in den USA erinnern.

Bei all dem Schönen und gelungenen bleibt aber ein Beigeschmack: Die Toten und ihre blutigen Szenen sind einfach nicht mehr unterhaltsam, sondern too much.

Bettina Riedel (academicworld.net)

THE VOICES

Regie: Marjane Satrapi
Darsteller: Gemma Arterton, Anna Kendrick, Ryan Reynolds, Jackie Weaver

Seit dem 6. Oktober auf DVD und BluRay im Vertrieb der Ascot Elite Home Entertainment im Handel erhältlich.

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