Schein-ing

Haben Sie sich schon mal Ihren Lebenslauf geschönt? Und weil ja: Haben Sie dabei überlegt, was noch irgendwie im Rahmen des „na ja, stimmt doch, wenn auch nicht ganz so“ war oder eben doch schon ein „nein, das kann ich nicht machen, das ist doch schon etwas zu arg…!“?

Von Katharina Ohana, Psychologische Beraterin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

 

 

Katharina Ohana, Psychologische Beraterin und Autorin

Ich hab zum Beispiel eine Bekannte, die erzählt immer sie war in Harvard. Dabei war sie nur ein Austauschsemester da und hat dann ihren Magister in Cuxhaven an der Uni gemacht. Man kann das noch gerade so in einer Alltagserwähnung durchgehen lassen, immerhin hat sie ein halbes Jahr auf einer der besten Universitäten der Welt viele Ideen und höchste Ansprüche kennen gelernt. Und wenn sie ein ganzes Jahr da gewesen wäre und sagen würde: Ich hab in Cuxhaven und in Harvard studiert… dann wäre diese Aussage sogar moralisch völlig korrekt (rein vom Gerechtigkeitsgefühl her). Ich habe aber auch eine andere Bekannte die sagt immer, sie habe Architektur studiert – dabei war sie genau einmal in der Einführungsveranstaltung der Architekten an der FH in Frankfurt! 

Leider gibt es zunehmend Leute vom Schlag der Architektin und diese Dreistigkeit färbt – zusammen mit dem globalen Druck etwas allgemein Angesehenes darzustellen – auf alle ab. Immer tollere Titel und Funktionen gibt es auf Firmenvisitenkarten zu lesen. Und nicht selten wird es dann richtig kriminell und volksmoral-zersetzend, wenn einer wie Herr zu Guttenberg auftritt. Der hatte zwar schon Titel, die nicht nur bei Klatschzeitungsleserinnen hoch im Kurs stehen. Aber das hat natürlich nicht gereicht. Es brauchte auch noch die höchsten bürgerlichen Weihen.

Was vielen Menschen dagegen weit weniger auffällt, ist der „schöne Schein“, der in Beziehungen immer wichtiger wird. Und hier ist es nicht der Schein, den andere uns vorgaukeln, sondern der des eigenen Wunschbildes, der eigenen Erwartungen an einen idealen Partner. Diese Täuschung kann zwar von keinem Gericht verurteilt werden und wird auch häufig geheim gehalten. Trotzdem kann er das eigene Leben so sehr beschädigen, wie der schöne Scheindoktortitel des Herrn zu Guttenberg das seinige beschädigt hat. Wir merken das dann aber nicht mal bzw. stellen leider nicht den Zusammenhang her, zwischen unserem Wunschdenken und unserem Unglück.

Das fatale bei beiden Scheinwelten (die der Lebensläufe und die der Liebeswünsche) ist unsere Werteordnung, die den schönen Schein zur Maxima par excellence erkoren hat: Das Grundprinzip unserer auf ökonomisch-verwertbare Leistung getrimmten Welt bringt die Blüten des Schein hervor und die Sehnsucht einfach so, mit Leichtigkeit Perfektion zu erlangen, damit endlich das Paradies eintritt, dass uns täglich gestohlen wird auf der Suche danach. Jede Werbung und die meisten Figuren heutiger Mainstreamfilme und Serien zeigen uns die Leichtigkeit des totalen Erfolges. Da werden bei Rosemunde Pilcher Marmeladenköchinnen auf einmal zu Millionärinnen, die alte Gutshöfe kaufen und renovieren und dabei immer aussehen wie frisch von der Rügenwalder Mühle. Auch Tagebuchautorinnen oder Kellnerinnen werden in amerikanischen Love-Romance-Filmen über Nacht zu Stars, mit den typischen Schein-Insignien eines Schein-Glücks: Geld, Luxus, Schönheit und viel viel Bewunderung (am liebsten erotische).

Was das mit unseren Hoffnungen für die Liebe zu tun hat und warum Beziehungen scheitern, obwohl der Wunsch nach dem perfekten Partner sich sogar hin und wieder erfüllt, das können Sie jetzt nachlesen in meinem neuen Buch, das seit letzter Wochen im Buchhandel und bei Amazon zu erhalten ist.

„Mr. Right. Von der Kunst den Richtigen zu finden. Und zu behalten.“

Das Buch gilt auch für die Suche und das zweifelvolle Glück mit Mrs. Right. Natürlich.

Die Krankheit des schönen Scheins in der Liebe – um Sie ein wenig neugierig zu machen – liegt in unserer ewigen Sehnsucht nach „etwas Besserem“. Woher das kommt und wie man es loswird, können Sie jetzt also konkret und fundiert nachlesen. Und: Dieses Buch ist kein Schein-Ratgeber mit ein paar billigen aufgepumpten Tipps von der banalen Sorte, die dem Leser ein wohliges Schein-Gut-Richtig-Gefühl geben, das sofort wieder verschwindet. Das kann ich Ihnen versprechen, als jemand, dessen Lieblingsfeind der schöne Schein in dieser unserer Welt und Werteordnung ist. 

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