sagenhaft & mörderisch

Am Ende von Band 1 ließ Eureka ihren Tränen freien Lauf – und verdammte ihre Welt zum Untergang durch eine massive, den Globus umspannende Flut. Dadurch wurde das sagenhafte Atlantis wieder erweckt und mit ihm Atlas – Eurekas vermeintlichem Endgegner.

Eureka steht inmitten einer Welt aus Toten und muss damit klar kommen – denn um sie herum stehen die Zwillinge, ihr Dad, Ander und ihre beste Freundin Cat. Für sie muss sie funktionieren und eine Lösung finden. Hilfe möchte sie dafür von Solon erbitten, einem ehemaligen Saathüter, ein abtrünniger seiner Herkunft. Sein Wissen ist essenziell, damit Eureka sich auf den Kampf mit Atlas vorbereiten kann – und hoffentlich siegen. Womit sie nicht gerechnet hat sind die Tratschhexen, dass jeder hinter ihren nächsten Tränen hinterher jagt, dass Cat sich von ihr abwendet, dass … und mittendrin stellt Eureka fest: Das normale Mädchen von vor ein paar Tagen ist einer eigensinnigen jungen Frau, einer Mörderin gewichen, die ein festes Ziel vor Augen hat. Atlas nicht gewinnen lassen.

Die Kritik

Bei all der Kritik, die mir online schon begegnet ist, kann ich ein Urteil nicht unterschreiben: Denn das Buch ist nicht schlecht! Es ist inhaltlich sehr reichhaltig, die Fantasie der Autorin lief auf vollen Touren. Manchmal kommt der Leser nicht ganz hinterher und braucht einen Moment für den „aha!“-Klick. Aber der kommt. Und vor so einer Vielfalt, die Lauren Kate für ihre Figuren und ihre fiktionale Welt erfunden haben, das am Ende vor allem zusammenpasst (!), muss man schon den Hut ziehen.

Dazu sollte gesagt werden, dass sie nach Band 1 den Pfad der generischen Dystopien verlässt und ihr eigenes Ding macht. Aus meiner Sicht wird aus WATERFALL ab Mitte des Buchs eher eine Art Märchenbuch. Ein modernes Märchen, wie ich es noch nie gelesen habe – und mit großem Interesse. Es gibt in diesem Genre also doch noch Entwicklungsmöglichkeiten und Rotkäppchen könnte endlich ausgedient haben. Vielleicht ist das Buch deshalb meines Erachtens nicht für Leser über 23 geeignet. Alle anderen sollten einen ausgeprägten Hang zu fabelhaften Wesen jenseits der Vampire und Werwölfe haben 😉

Was ich eher schade fand ist, dass die Hauptfigur wirklich keine Initiative zeigt. Sie steckt in der Klemme, zwischen zwei Jungs, zwischen zwei Welten und reagiert nur. In anderen Worten: Sie entwickelt sich nur spärlich weiter. Jede Entwicklung in der Handlung ist einem äußeren Faktor zu verdanken. Damit wird Eureka selbst mehr oder weniger zu einem Beiwerk einer sonst sehr reichhaltig konstruierten Welt. Sie ist ein Spielball auf den Wellen und damit wie bei fast allen gängigen „Dystopien“ keine Heldin und schon gar kein starker Charakter. Das verschenkt absolut das Potenzial für beide Bücher, um zu den herausragendsten Werken ihrer Art zu werden.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Lauren Kate. Waterfall.
Cbt. 17,99 Euro.

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