Rosenball statt Rosenkrieg

Im Sommer 1914, direkt vor dem ersten Weltkrieg, stirbt ein Professor an einem Herzinfarkt. So zumindest die offizielle Erklärung. Doch als Captain Allen aus dem Krieg zurückkehrt, beginnt er an diesen Umständen zu zweifeln. Was geschah damals wirklich in der englischen high society?

England, 1919. Der Erste Weltkrieg ist gerade zu Ende gegangen und Captain Tom Allen kehrt nach England zurück. In London angekommen, weiß er zunächst nicht wohin mit sich. Die traumatischen Erlebnisse haben ihn jeder Zukunftsvision beraubt. Da erreicht ihn eine Einladung zum Rosenball nach Hannesford Court – der Ort, an dem er vor dem Krieg einige Sommer seiner Jugend verbracht hat. Gleichzeitig lenkt ein alter Freund seine Aufmerksamkeit auf einen Todesfall kurz vor Kriegsausbruch in Hannesford Court, dessen Erklärung möglicherweise einige Fragen offen lässt. Hier trifft er nicht nur auf viele Geister der Vergangenheit, sondern auch seine alte Liebe Margot, die wie alle anderen Dinge seines Lebens keinen Bestand zu haben scheint. Was geschah wirklich im Sommer 2014 und wie steht es mit Toms Zukunft?

Krieg, aber alles ist gut

Kämpft ein Soldat fünf Jahre lang im Ersten Weltkrieg, kehrt unverletzt zurück und hat darüberhinaus keine weiteren psychischen Belastungen. Das ist leider so fernab der geschichtlichen Realität, dass dem Roman bereits zu Beginn etwas Glaubhaftigkeit verloren geht.

Zynik hilft immer

Doch es gibt definitiv auch Lichtblicke: Streckenweise schimmert der berühmt-berüchtigte britische Humor durch, wenn die Hauptfigur versucht, sich mithilfe von Zynik in der Nachkriegsrealität zurechtzufinden. So werden galante Männer zu „flanellbekleidetem Zierrat“ und die Frage gestellt, ob man nach fünf Jahren im Sturm unter Umstände auch die Knappheit von türkischen Zigaretten überleben könne. Das ist amüsant und verleiht der Erzählung Schwung.

Eintönige Gleichmäßigkeit

Insgesamt plätschert das Buch allerdings etwas zu gleichmütig dahin. Das vorausgesehene Finale tritt zum Glück nicht ein und das Ende an sich bleibt sehr offen. Hier kommt man nicht umhin, sich ein weiteres Kapitel zu wünschen. Auch die regelmäßigen Perspektivenwechsel zwischen Captain Allen und einer weiteren Person tragen nur eingeschränkt zur Attraktivität bei. So wie es ist, bietet die Erzählung sanfte und gleichmäßige Unterhaltung, die an einem Punkt einfach aufhört. Das allerdings in exzellenter Prosa. Summa summarum eine leichte und eingängige Unterhaltung für einen Nachmittag.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Wiedersehen in Hannesford Court. Martin Davies.
DTV Premium. 14,90 Euro.

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