Rezension zu Deana Zinßmeister: Der Hexenturm

Deana Zinßmeister: Der Hexenturm

Hexen auf der Flucht

1617. Hexenverfolgungen und die Intrigen und Machenschaften, die damit einher gehen, erschüttern das Land. Nach ihrer spektakulären Flucht und einer langen Wanderung voller Entbehrungen, scheinen die Freunde Franziska, Katharina, Burghard, Clemens und Johann ein neues Zuhause auf einem Gestüt fern ihrer Heimat  gefunden zu haben. Aber der Frieden täuscht. Ihre Verfolger sind ihnen weiterhin auf der Spur und auch in ihrem Exil geraten die jungen Leute in Machenschaften, die ihr Leben mehr als einmal bedrohen.

Klischees statt Klasse

Obwohl ?Der Hexenturm? der zweite Teil zu Deana Zinßmeisters Roman ?Das Hexenmal? ist, kann er ohne Probleme auch von jenen gelesen werden, denen der Vorgänger bisher entgangen ist. Die Autorin lässt, besonders zu Beginn des Buches, die vorhergegangenen Ereignisse mit einer solchen Hartnäckigkeit Retour passieren, dass man sich am Ende nicht mehr sicher ist, ob man den ersten Teil tatsächlich nicht gelesen hat.

Leider hinterlässt das Buch insgesamt den Eindruck, in erster Linie populistisch ausgerichtet zu sein. Obwohl Zinßmeister sehr wohl in der Lage ist, mit einem Auge für Details und Eigenheiten bildhaft zu erzählen und das Geschehen nah an ihre Leser heran rücken zu lassen, wirken manche Szenen grob und ungeschickt. Das gilt vor allem für jene, in denen Sex oder Gewalt eine Rolle spielen. Man gewinnt den Eindruck, dass sich die Autorin eher widerwillig mit diesen Themen auseinander gesetzt hat, sie aber wegen ihres hohen Marktwertes trotzdem einbauen musste. Dramatische Passagen wirken oft überspannt und lassen auch schon mal die Logik zu Gunsten des Effekts das Nachsehen haben. Und auch der literarische Stil ist bedauerlicher Weise sehr simpel gehalten und von jener pseudo-historischen Färbung durchzogen, die man häufig in Romanen dieses Genres findet.

Sorgfältig recherchierte, kurzweilige Geschichte

Trotz all dieser Mankos kann man aber nicht behaupten, das Buch wäre schlecht lesbar. Die Autorin hat sorgfältig und mit Begeisterung recherchiert und das merkt man der Geschichte an. Die Figuren, die teilweise auf historischen Persönlichkeiten aufbauen oder sich an diese anlehnen, sind lebensecht und charakterstark. An keiner Stelle kommt Langeweile auf, der Spannungsbogen hält sich bis zum Ende und für jene, die ein großes Interesse am 17. Jahrhundert im allgemeinen und den Hexenverfolgungen im einzelnen haben, ist dieser Roman sicherlich eine kurzweilige und lehrreiche Lektüre.

Kurz: „Der Hexenturm“ ist ein Buch, das man sicher nicht gelesen haben muss, das aber zweifellos eine große Anzahl an Freunden und Anhängern finden wird. Und nicht gänzlich unverdient.

448 Seiten
Goldmann (15. November 2010)
9,99 Euro


Stand Februar 2011
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