Rezension zu: Ben Kay, Das Nest

Ben Kay, Das Nest (Rowohlt Verlag)

Ben Kay, Das Nest (Rowohlt Verlag)

Die Insekten sind los

„Sie befinden sich auf der MEROS-Forschungsstation – deren Leiter ich bin – in Collinas de Edad, Venezuela, knapp vierzig Meilen von der brasilianischen Grenze entfernt. Hier in aller Kürze unsere Entstehungsgeschichte: Das Projekt wurde 1998 von mehreren NATO-Mitgliedstaaten ins Leben gerufen, mit dem Ziel zu erforschen, inwieweit sich genetisch veränderte Insekten zu militärischen Zwecken einsetzen lassen.“

Dr. Laura Trent bekommt Besuch von Steven Bishop. Dieser ist Leiter der MEROS-Forschungsstation und versucht Laura als Expertin auf ihrem Gebiet, der Entomologie, für sein Forschungsprojekt anzuwerben. Doch Laura hat kein Interesse daran mit ihrem Sohn Andrew nach Venezuela zu gehen. Doch plötzlich verschwindet Andrew und für Laura sieht alles ganz anders aus…

Laura reist mit einigen Militärs nach Venezuela, wohin Steven Bishop ihren Sohn als Druckmittel verschleppt hat. Was sie dort erwartet ist kaum zu beschreiben, Versuchsreihen mit genetisch veränderten Insekten sind außer Kontrolle geraten und nun geht es ums nackte Überleben…

„Das Nest“ – solider Thriller mit bekanntem Thema

Ben Kays Debütroman „Das Nest“ ist ein solider Thriller mit einem bekannten Thema – genetisch veränderte Insekten als biologische Waffe.
Der Roman ist in vier Teile gegliedert: Prolog – Der Schwarm, Der Kopf, Der Thorax und Das Abdomen. Diese werden jeweils noch einmal in insgesamt 95 Kapitel unterteilt. Die Länge der einzelnen Kapitel ist für den Leser angenehm. Der Schreibstil des Autors ist angenehm und fördert den Lesefluss.

Bei den Charakteren bin ich ein wenig zweigespalten: Die Charaktere der Soldaten der MEROS sind gut ausgearbeitet und werden detailliert beschrieben; zusätzlich erhalten wir noch eine Menge Hintergrundinformationen aus ihrem Leben. Ihr Aufenthalt bei MEROS ist eine Art Verbannung aus dem offiziellen Militärdienst, da alle Soldaten diverses Fehlverhalten an den Tag gelegt haben.
Aber Dr. Laura Trent z.B. wird mir viel zu oberflächlich dargestellt, außer am Anfang des Buches als ihr Sohn verschwindet. Dort zeigt sie die ganz normalen Gefühle einer Mutter: Angst, Sorge, Wut und Hass auf Bishop. Jedoch erlebt Andrew am Ende des Buches eine weitaus gefährlichere Situation: Er muss sich, als Kind, alleine gegen die mutierten Insekten wehren und sich retten – bewaffnet nur mit einem Taschenmesser.
Laura empfindet in diesem Zeitraum keine, für den Leser offensichtlich erkennbaren, Sorgen und Ängste, während Andrew sich permanent Sorgen um seine Mutter macht und Angst hat, dass sie schon längst gestorben ist. Für mich ist dieses Verhalten absolut unrealistisch und nicht nachvollziehbar.

Gute Beschreibungen aber keine Identifikationsfiguren

Für mich als Leser war auch schwierig, dass ich keinen Sympathieträger in diesem Buch gefunden habe, und mich auch nicht ansatzweise in einen Protagonisten hineinversetzen konnte. Ganz im Gegenteil habe ich Abneigungen gegen einige Protagonisten, wie z.B. Steven Bishop entwickelt. Für mich war dieser Mann nicht mehr als eine charakterlose, ängstliche Witzfigur. Auch das Verhalten der Soldaten ließ mich so manches Mal ungläubig und geschockt zurück

Die Beschreibungen der Forschungsstation, der Labore und des Mitteltrakts mit seinen Bewohnern ist dem Autor allerdings sehr gut gelungen. Gerade die Flora und Fauna, die sich im verlassenen Mitteltrakt befindet, kann sich der Leser mit ein wenig Phantasie sehr gut vor Augen führen.

Spannend ohne zuviel Tiefgang

Wie schon gesagt ist „Das Nest“ ein solider Thriller, der sich mit einem altbekanntem Thema beschäftigt. Durchaus spannend geschrieben, aber ohne jeglichen Tiefgang.

Diesen Thriller empfehle ich Liebhabern von Insekten-Horrorgeschichten. Thrillerfreunden, die gerne spannende Bücher mit Tiefgang lesen, rate ich von diesem Buch aber ab!

416 Seiten (Taschenbuch)
rororo (03.01.2011)
9,99 Euro


Stand Februar 2011

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