Recherche-Tipps vom Profi V: Trefferanzeigen richtig bewerten – Evaluation von Literatur und Suchergebnissen

Was ist für jedes Referat, für jede Prüfung, für jede Hausarbeit und auch sonst einfach für jeden Studenten unabdingbar? Die Recherche. Wie man richtig nach Büchern, Autoren, Inhalten und allem Relevanten sucht, das verrät Nicole Krüger, von der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften.

Trefferanzeigen richtig bewerten – Evaluation von Literatur und Suchergebnissen
In EconDesk, der Online-Auskunft der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) werde ich häufig gefragt, was die wichtigsten Publikationen zu einem Thema sind. Diese Frage kann jedoch – wenn überhaupt – nur beantworten, wer zu dem Thema forscht oder sich tiefer eingelesen hat. Ein Verzeichnis, mit Hilfe dessen die Frage beantwortet werden kann, gibt es nicht. Das Einlesen in die Fachliteratur ist darum der einzige Weg, sich der Frage zu nähern.

Wie man aber aus Katalogen und Datenbanken die wichtigsten Treffer herausfiltern kann, die auch den Kriterien der Wissenschaftlichkeit genügen, dafür gibt es einige Anhaltspunkte.

Aktualität
Nach der Suche sollte man sich zunächst einmal die Erscheinungsjahre der Publikationen ansehen und sich prinzipiell fragen, wie aktuell die Literatur sein muss, um für das Thema relevant zu sein. Das wird bei Themen der Naturwissenschaften (Physik, Biologie) anders sein als bei geisteswissenschaftlichen Themen (Geschichte, Philosophie). Recherchiere ich zu einem Thema, in dem sich Daten und Erkenntnisse schnell ändern, kann ich die älteren Publikationen aus der Liste i.d.R. als irrelevant einstufen.

Inhaltliche Relevanz
Um die inhaltliche Relevanz für mein Thema einzuschätzen, sehe ich nach, wie häufig und in welchem Zusammenhang der Suchbegriff im Titel, in den Schlagwörtern sowie ggf. in Abstracts oder Inhaltsverzeichnissen vorkommen.

Des Weiteren können folgende Kriterien geprüft werden:

Relevanz der Zeitschrift
Zeitschriften-Aufsätze sind i.d.R. wichtiger für mein Thema, wenn sie in einer hochangesehenen Zeitschrift erscheinen. Zeitschriftenrankings sind jedoch ein heikles Thema, u.a. da sie sich sozusagen selbst bestätigen – was höher gerankt ist, wird mehr zitiert, wird höher gerankt etc. Auch werden in den internationalen Rankings häufig nur angloamerikanische oder englischsprachige Zeitschriften berücksichtigt. Nationale Rankings gibt es nicht für alle Fachgebiete.

Tool-Tipp: Ein internationales Zeitschriften-Ranking für viele Fachgebiete ist die Datenbank Journal Citation Reports im Web of Science. Darin können Themengebiete gewählt und die Zeitschriftenliste dann nach „Impact-Factor“ oder „TotalCites“ sortiert werden.

Ein weiteres Zeitschriften-Ranking ist z.B. das freie Angebot Eigenfactor.

Verlag
Ein Blick auf die Verlagsangabe lohnt sich ebenfalls. Wurde die Publikation in einem renommierten Verlag herausgegeben, haben angesehene Fachwissenschaftlerinnen die Publikation inhaltlich geprüft. Eine Publikation im Selbstverlag der Autorin / des Autors oder in einer Schriftenreihe eines Instituts durchläuft meist weniger Prüfungen.

Auflage
Je höher die Auflage eines Buches, desto häufiger wurde es gelesen. Allerdings muss beachtet werden, dass z.B. Lehrbücher von mehr Personen gelesen werden als Publikationen zu einem spezielleren Thema. Auch können Publikationen, die gerade neu herausgegeben wurden, noch nicht in hoher Auflage erschienen sein und trotzdem sehr wichtige, neue Erkenntnisse enthalten. Die Auflage kann darum nur ein Randkriterium für die Bewertung sein.

AutorInnen
Die Bewertung der Autoren fällt am Anfang der Arbeit sicherlich schwer. Im Zweifelsfall kann im Internet geprüft werden, an welcher Einrichtung die Autorin beschäftigt ist und ob sie / er akademische Titel hat.

Des Weiteren kann in Literaturverzeichnissen relevanter Aufsätze und Bücher geprüft werden, welche Autorinnen am meisten zitiert werden. Für diese Prüfung eigenen sich auch Zitationsstatistiken. Diese Rankings der meistzitierten Autoren zu einem Suchbegriff sind jedoch ebenso mit Vorsicht zu bewerten, wie dieZeitschriftenrankings und stellen niemals ein vollständiges Bild dar.

Tool-Tipp: Im Social Sciences Citation Index (SSCI), Sciences Citation Index (SCI) oder Arts & Humanities Citation Index (AHCI) im Web of Science kann ein Suchbegriff eingegeben werden und dann auf „Create Citation Report“ geklickt werden. Die Trefferliste wird daraufhin nach Zitations-Häufigkeit des Artikels sortiert.

Schreibstil
Die Frage, ob der Schreibstil der Publikation wissenschaftlich ist, ist für jede Publikation zu prüfen. Fragen, die in diesem Zusammenhang u.a. gestellt werden sollten, sind:
– Werden andere Arbeiten zitiert?
– Werden Zitate richtig belegt?
– Werden Quellen für Daten / Statistiken angegeben?
– Ist ein Literaturverzeichnis vorhanden?
– Wird eine wissenschaftliche Sprache verwendet?

Abschließend kann noch gesagt werden, dass wissenschaftliche Bibliotheken bereits eine Vorauswahl treffen und dass in Bibliothekskatalogen von wissenschaftlichen Bibliotheken fast ausschließlich wissenschaftlich relevante Literaturzu finden ist.

Tool-Tipp: Lesen Sie auch in LOTSE „Suchergebnisse evaluieren“

Die Evaluierung von Internetquellen wurde hier ausgeklammert. Sie soll in einem späteren Beitrag ausführlich behandelt werden. Im nächsten Beitrag gehtes jedoch erst einmal darum, wie die wichtigen Suchergebnisse, die Sie mit den heutigen Tricks identifiziert haben, nicht wieder verloren gehen – die Literaturverwaltung.

Natürlich können Sie sich mit Fragen rund um die Literaturrecherche zu Wirt-schaftsthemen weiterhin an EconDesk wenden. Oder nutzen Sie das fachspezifische Online-Tutorial LOTSE für 17 Fachgebiete.

Nicole Krüger: Studium des Bibliothekwesens und Informationsmanagements, 2002 Arbeit als Web Developer in Sofia, Bulgarien, seit 2004 in der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) mit den Aufgaben Vermittlung von Informationskompetenz, Auskunft und Recherche, Konzeptionelle Mitarbeit am Fachportal EconBiz.

Stand Januar 2012

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