Ratgeber schaden nachhaltig. Oder nicht?

Wie überzeugt man eine Person davon, dass das Leben lebenswert ist, wenn man selbst nicht unbedingt daran glaubt? In „Die Liebe deines Lebens“ beschreibt Cecilia Ahern den Weg einer Frau zur Liebe ihres Lebens, der gefährlich nahe an den Abgrund nicht nur eines Selbstmordes führt.

Der Inhalt

Christine ist eigentlich Inhaberin einer kleinen Jobagentur. Doch sie möchte ihrer Kundschaft mehr geben als nur eine Arbeitsstelle. Fast schon aufopfernd kümmert sie sich um ihre Klienten und begleitet sie auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft. Immer an ihrer Seite: Unzählige Ratgeber aus den Buchregalen der Selbsthilfe. „Wie man sein Leben auf die Reihe bekommt“ als zusammenfassendes Oberziel. Als sie eines Tages den versuchten Selbstmord von Simon nicht verhindern kann, wird sie davon vollkommen aus ihren Bahnen geworfen. Weder sie noch ihre Ratgeber konnten ihr dabei helfen. Alles ging schief.

Kurz darauf trifft sie bei einem Spaziergang auf Dublins Ha’Penny Bridge auf Adam. Nur, dass er auf der falschen Seite des Geländers steht und in die kalten Fluten springen möchte. Christine wirft alle Informationen ihrer Ratgeber über den Haufen und hält Adam einfach fest. Mit halben Erfolg, denn obwohl er nicht springt, haben die beiden einen Deal: Christine muss ihm bis zu seinem Geburtstag das Leben wieder schmackhaft machen. Reichen zwei Wochen, um ein Leben zu retten?

Der Schreibstil

In verständlichen, allerdings nicht zu simplen Satzkonstruktionen zeichnet die Autorin das Bild sehr verschiedener Menschen. Christine, die allen helfen möchte, dafür unzählige Ratgeber verschlingt, aber sich selbst nicht zu helfen weiß. Adam, der eigentlich das perfekte Leben haben könnte, aber einfach nicht in die Puschen kommt und viel lieber gleich komplett aussteigen möchte. Ein soziales Umfeld, das man einfach nur als herausfordernd bezeichnen kann, allerdings auch voller Sensibilität und Mitgefühl – wenn man weiß, wie man es interpretieren muss.

Zur Autorin & Fazit

Cecilia Ahern ist bekannt für ihre Liebesgeschichten. Harmlose Belletristik der Gegenwart, die nicht schwer im Magen liegt. Mit „Die Liebe deines Lebens“ entwickelt sich die Autorin davon ausgehend einen deutlichen Schritt weiter. Das gelingt ihr allein dadurch, wie sie das Thema Selbstmord in die Erzählung integriert: Nicht mitleidsheischend, nicht dramatisch. Der einfache Ruhewunsch, den wohl viele Menschen einmal in ihrem Leben verspüren. Und doch ist da dieser Funken, den auch Christine in sich trägt und so verzweifelt und beharrlich an Adam weitergeben möchte. Ein Funken, der bald ganze andere Flammen lodern lässt, als gedacht.

Dass Ahern einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung als Autorin unternommen hat, merkt man besonders gut auch an folgendem Satz:

„Ich glaube, ich hatte mich ins Verliebtsein verliebt, und nun war meine Affäre mit diesem Traum vorbei.“ (Seite 65)

Das passt so gar nicht zum rosaroten Herzchen-Klischee harmloser Liebesgeschichten und gibt dem Buch einen tiefer gehenden Hintergrund. Das verleiht dem positiven Gesamteindruck wesentlich mehr Gewicht. Genau das ist es aber auch, was für Cecilia Ahern nötig war, um nicht für immer unter dem gleichen Label abgestempelt zu werden.

… und am Ende? Ist es doch eine „einfache“ Liebesgeschichte, die die dunklen Herbsttage kurzweilig vertreibt.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Cecilia Ahern. Die Liebe deines Lebens.
16,99 Euro. Krüger/Fischer Verlage.

Stand Oktober 2013
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