Philosophie für die Masse?

Denkt man an das Fachgebiet der Philosophie, hat man unweigerlich die antiken Verfechter dieser Disziplin vor seinem inneren Auge, die ohne Ende schwadronieren. Dass es auch viel unterhaltsamer geht, verständlicher und was pinke Einhörner damit zu tun haben, zeigt Deutschlands jüngster Philosophieprofessor.

Der Titel besagt schon das Wichtigste: Die Welt? Gibt es nicht. Wer jetzt aber frohlockend meint, dann gäbe es auch keine Matheklausur am Ende des Semesters, muss enttäuscht werden. Die gibt es wohl, genauso wie pinke Einhörner und wo wir schon mal dabei sind: die grünen Männchen auf dem Mars erst recht. Aber dein Weltbild und mein Weltbild? Sind natürlich völliger Quatsch! 

Bunte Bilder in grauer Theorie

Des Rätsels Lösung findet man im Buch mehrfach erklärt und soll an dieser Stelle keineswegs verraten werden. So viel aber sei gesagt: Worum es grundsätzlich geht, sind philosophische Konzepte rund um beispielsweise den Konstruktivismus bis hin zum „neuen Realismus“. So hebt der Autor seinen Monolog von der spaßigen Philosophie auf ein durchaus anspruchsvolles Niveau. Genau das macht den Nutzwert des Buchs aus – die hohe Theorie gemischt mit verständlichen und witzigen Beispielen.

Weg mit den Alten!

Trotzdem ist es keine ganz einfache Gedankenübung, auf die sich der Leser einlässt. Die Basis bildet seine Auffassung, dass die naturwissenschaftlich untersuchbaren Gegenstände längst nicht das einzige sein können, die existieren. So weit, so gut – das ist nicht neu. Doch was ist mit den Realitäten, die wir uns vorstellen und damit auch generieren? Damit nimmt er direkt andere Konstrukte wie den Neurokonstruktivismus aufs Korn und entwickelt im weiteren Verlauf gar seine eigene Denkschule: den neuen Realismus.

Der Titel des Buchs lässt den potenziellen Leser umgehend stutzen. Das ist natürlich ganz bewusst so gestaltet worden und auch nicht ganz so neu: Die Philosophie befindet sich im Aufwind und damit die Schriften, die das Ganze einigermaßen verständlich rüberbringen. Mit dem Niveau des Monologs können Einsteiger aber nur bedingt mithalten. Daher sei eine kleinere Vorbildung auf dem Gebiet der Philosophie durchaus empfohlen. Insgesamt ein unterhaltsames, informatives und lehrreiches Lesevergnügen! Trotz Matheklausur am nächsten Tag.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Markus Gabriel. Warum es die Wellt nicht gibt.
18,00 Euro. Ullstein Verlag.

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