Per aspera ad astra: Gedanken zu Mönchengladbach am Ende einer Saison

Als Rautenträger ist man es seit jeher gewohnt, raue Zeiten zu durchleben und stets Gewehr bei Fuß zu stehen, sollte ein anderes Bundesliga-Team einmal einen Aufbaugegner benötigen.

Seit Fury weiß man: Fohlen helfen, wenn andere in Not sind

Als Hansa Rostock in seiner damaligen Abstiegssaison 2008 kein einziges Heimspiel gewinnen konnte, brachte die Borussia das Kunststück fertig, dort ein Unentschieden zu erschleichen. Nun sind seither einige Jahre ins Land gezogen – bei vielen Dingen bleibt alles beim Alten, während in anderen Bereichen alles neu zu sein scheint. 

Auch in der Saison 2011/12 zeigt sich Marcel Reif weiterhin für die  Stern- …,  nein, SKYstunden deutscher Berichterstattung eines Bezahlsenders verantwortlich und legt dabei eine Neutralität an den Tag, die einem PH-Wert von 1,0 gleichkommt, die Borussia ist nach wie vor der personifizierte Serienbrecher, erfüllt diese Rolle jedoch auf eine gänzlich unerwartete Art und Weise und sogar der selbsternannte Sportjournalist – bitte keine Namen – ist über die Rechtschreibkorrekturfunktion der Textverarbeitung seines Vertrauens gestolpert. 

Was binnen eines Jahres sportlich alles passieren kann, hat uns Lucien Favre aufgezeigt, indem er den VfL zu einem Team geformt hat, das quer durch die Republik Lob und Anerkennung erntet. Und zwar serienweise – sprich weit über die zweijährlichen Momente des Derbysieges gegen die Kölner hinaus. Doch selbst jetzt, wo Borussia Mönchengladbach nach 16 jähriger Abstinenz den glänzenden Parkettboden des internationalen Geschäftes derart sicher in den Händen hält, wie Ter Stegen das Gros der gegnerischen Schüsse, scheint das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht: Platz vier und somit die Berechtigung zur Champions-League-Quali ist – vom Torverhältnis einmal abgesehen – für die Jungs vom gebräunten Bruno aus dem Schwabenländle unerreichbar. Dennoch käme es einer Lüge gleich, würde ich behaupten, dass ich das Gefühl, Herrn Labbadias Atem so nah an meinem empfindlichen Borussiarücken zu spüren, genießen könnte. Doch genug der zärtlichen, schwäbischen Annäherungsversuche: Vor uns liegt der FC Schalke 04, ein Verein, der die Tabellenposition im Namen trägt, auf der ich ihn nach dem 34. Spieltag gerne sehen würde. Mit zwei Punkten und drei Toren Vorsprung vor unserer Borussia rufe ich den selbsternannten Meister der Herzen dazu auf, sein Credo in die Tat umzusetzen und den VfL vorbeiziehen zu lassen – Sprüche klopfen kann schließlich jeder, wenn auch niemand so galant wie Hans Sarpei via Twitter

Doch wo Licht ist, da ist bekanntlich auch der Schatten nicht weit: Vielerorts paaren sich die Schulterklopfer ob unserer genialen Saison mit lieben Ratschlägen á la ‚Die Borussia wird uns nächstes Jahr international ähnlich blamieren wie ihre Namenscousine aus Dortmund.‘, ach wirklich? Lasst uns das Fell nicht vor der Erlegung des Bären verteilen oder sollten wir den Spielbetrieb aufgrund von aussichtslosen Prognosen lieber einstellen? Schließlich laufen wir ja Gefahr, uns zu blamieren. Vielmehr sollten wir, die wir Saison für Saison zittern, hoffen, bangen, biegen und bibbern mussten, das Erreichte genießen. Ein Genuss, frei von Ängsten und Was-wäre-wenn-Fragen. Ein Genuss, geprägt von (Vor-)Freude auf das, was uns in der nächsten Spielzeit erwarten wird. Wer weiß, wen unser Zauberlehrling, aka Max Eberl, aus seinem Hut zaubern wird? 

„Per aspera ad astra“ – Durch den Staub zu den Sternen! – das wussten schon die Römer und diese wären sicherlich auch Borussiafans gewesen, hätten sie einen Marco Reus in ihrem Kolloseum bewundern können. Dem Staub haben wir anderthalb Jahrzehnte auf unglaubliche Art und Weise gefrönt. Es ist Zeit, nach den Sternen zu greifen (nicht nur nach denen für unser Trikot) … 

Per aspera ad astra! (lat.: Durch die Scheiße zum Preise!)

(Von Daniel Louis, gebürtiger Mönchengladbacher und bekennender Borusse)

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