Paris Manhatten – Ist es wert, das Leben zu leben?

Eine unterhaltsame französische Liebeskomödie, die erfrischend ist in ihrer Leichtigkeit, mit kecken französischen Humor und Charme, ganz wie ihre Hauptdarstellerin Alice (Alice Taglioni). Der Debütfilm Sophie Lellouches bewegt sich ganz im Stil ihres großen Vorbildes Woody Allan.

Alice liebt Allen! Seine Filme so essentiell, dass nur sie das Leben in seiner kompletten Gänze widerspiegeln können. Kein Wunder also, dass die Apothekerin Alice diese als Wunderheilmittel gegen sämtliche Krankheiten verschreibt. Selbst einen Einbrecher versucht sie mit seiner Hilfe zu bekehren.

Die Familie sorgt sich allerdings, denn neben Woody Allen, mit dessen Konterfei sie täglich ausschweifende Gespräche über die Tücken des Lebens führt, gibt es keinen nennenswerten Mann in ihrem Leben. Dabei unterlässt der überfürsorgliche Vater (Michel Aumont) doch keine Chance ungenutzt, Alices Visitenkarte an heiratswillige Männer heranzutragen. Überhaupt wird die Brautsuche zur Familienangelegenheit erhoben.

Dabei hätte doch jeder von ihnen genug eigene Probleme: Der vermeintlich fremdgehende Ehemann (Louis-Do de Lencquesaing) der Schwester (Marine Delterme), die rebellierende Tochter und die trinkende Mutter.

Alice und Viktor im Park

Auf liebevolle Art und Weiße erzählt der Film von den täglichen Problemen, die es so wohl in jeder Mittelstandsfamilie gibt.

Schnell wird klar, dass es oft schlimmer scheint, als es ist und es für jedes Problem eine Lösung gibt. Man muss nur mutig genug sein, den nächsten Schritt zu wagen. Und ist nicht genau das die Message des Films? Im Leben geht es nicht darum, wer das meiste Talent hat, sondern wer den Mut aufbringt, gegebene Fähigkeiten für seine Überzeugungen einzusetzen und sich nicht von seinen Weg abbringen lässt, trotz aller Hindernisse.

Auch Alice ringt. Gut, dass es Viktor (Patrick Bruel) gibt, der Ingenieur und Spezialist für Alarmanlagen. Neben ihrer verrückten Familie erscheint dieser als eine Art Ruhepol und scheint diese so auf wundersamer Weise perfekt zu ergänzen. Besonders zwischen ihm und Alice scheint es zu funken, wäre da nicht noch Vincent (Yannick Soulier), an dem endlich einmal alles zu passen scheint, der genauso Woody Allen liebt und Alice mit kleinen Aufmerksamkeiten den Tag versüßt. Fast perfekt …

Daneben kann Viktor doch nicht mithalten, der sich endlich dazu überwindet seinen ersten Allen Film anzuschauen: „Was sie schon immer über Sex wissen wollten.“ und halb fasziniert, halb verstört dessen Handlung verfolgt.

Aber vielleicht ist Perfektion ja gar nicht das was Alice braucht? In dieses Gefühlschaos kann nur der Meister selbst Licht bringen und es erscheint doch wirklich und wahrhaftig der leibhaftige Allen.

Ein sehr poetischer Film, dessen farbenfrohe Bilder und beeindruckenden Charaktere im  Gedächtnis bleiben, und pure Lebenslust vermitteln.

Am Ende wird sich dem aufmerksamen Zuschauer die Frage nach dem „Manhattan“ im Film stellen. Der Titel ist irre führend, ein großer Name für einen kleinen Film. Denn der ist nicht mehr noch weniger als eine durch und durch französische Romanze.

Dennoch für alle Romantiker und Allen-Fans ein Muss!

Alina Juhnke (academicworld.net)

Paris-Manhattan

Regie: Sophie Lellouche
Darsteller: Alice Taglioni, Patrick Bruel, Marine Delterme, Louis-Do de Lencquesaing


Stand September 2012

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