P. J. Tracy: Sieh mir beim Sterben zu

Mordankündigung im Internet

Im Abstand von einem halben Jahr werden an unterschiedlichen Orten zwei Tote aufgefunden: Ein abgestürzter Skifahrer und ein ertrunkener Transvestit im Brautkleid. Zunächst werden die Geschehnisse als Unfälle beziehungsweise Selbstmord gesehen, doch plötzlich tauchen im Internet Snuff-Filme auf, die zeigen, wie die beiden ermordet werden. Das FBI versucht, die Filme zurückzuverfolgen und den Täter zu finden, doch der hat sich über ausländische Server abgesichert und ist selbst für die Spezialisten des FBI nicht auffindbar. Aus diesem Grund heuern sie die Softwarefirma Monkeewrench an – professionelle Hacker, die nicht immer mit legalen Mitteln arbeiten.

Diese werden schon bald fündig und entdecken neben Ankündigungen der beiden Morde, die in einem bestimmten Code verschlüsselt sind, nur kurze Zeit später auch eine Liste, die Namen von einigen weiteren Personen enthält. Von nun an sind alle bemüht, diese geplanten Morde zu verhindern, versuchen deshalb eine weitere Ankündigung zu entschlüsseln und das Gebiet anschließend einzugrenzen. Vor Ort sollen die beiden Polizisten Leo Magozzi und Gino Rolseth den Mörder an seinen Plänen hindern. Wird es ihnen gelingen und kann der Mörder durch vereinte Kräfte gefasst werden?

Der Reihe nach verhindert Unklarheiten und Konfusion!

„Sieh mir beim Sterben zu“ ist der 5. Teil der Reihe um die Monkeewrench-Crew des Autorenteams P.J.Tracy. Vor dem Lesen war mir das nicht bewusst, aber im Nachhinein wird mir dadurch einiges klar. Viele der auftretenden Personen sind einfach nicht gut genug beschrieben, um einem Neuling wie mir die Charaktere nahe zu bringen. Leider ist es eines dieser Bücher, in denen mir die Protagonisten völlig fremd blieben, ich konnte mir kaum ein Bild von ihnen machen und hatte daher während der Lektüre nur blasse Schatten vor Augen, was den Lesespaß natürlich stark eingeschränkt hat. Außerdem war ich von Anfang an hoffnungslos überfordert mit der Menge an Protagonisten: Da wäre der FBI-Agent John Smith, die Monkeewrench-Crew bestehend aus Harley, Grace, Annie und Roadrunner, die beiden Polizisten Leo und Gino und der ehemalige Richter Jim, die alle einen etwa gleichwichtigen Stellenwert im Buch einnehmen. Ich empfehle also in jedem Fall, vorher die vorangegangenen Teile (Spiel unter Freunden, Der Köder, Mortifer und Memento) zu lesen.

Fazit: interessante Thematik und guter Schreibstil

Die Buchidee an sich, speziell aber der Bezug zur aktuellen Internetkriminalität, ist durchaus interessant, wurde aber leider nicht immer gut umgesetzt. Nachdem der Mörder und seine Motive lange Zeit im Dunkeln bleiben und der Leser immer wieder geschickt auf falsche Fährten gelockt wird, erscheint die Auflösung über wenige Seiten dann leider etwas plötzlich, weiß aber andererseits auch positiv zu überraschen. Der Epilog, der mir recht überflüssig erscheint, stellt für mich leider keinen guten Abschluss dar und auf über 50 Seiten wird ein Vorfall eingebunden, der mit dem Rest der Handlung in meinen Augen kaum etwas zu tun hat, weshalb er eher wie ein schlechter Lückenfüller wirkt.

Davon abgesehen hat mir aber vor allem der Schreibstil sehr gut gefallen. Das Buch lässt sich flüssig lesen und weiß, abgesehen von einigen etwas zu tief geratenen Abschweifungen, zu fesseln. So habe ich mich mit „Sieh mir beim Sterben zu“ nie gelangweilt, mich trotz der aufgezählten Kritikpunkte gut unterhalten gefühlt und kann es daher jedem Thriller-Liebhaber ans Herz legen, der neben den üblichen Ermittlungen auch gerne mal PC-Spezialisten bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und sich in ihre Denkweisen hineinversetzen möchte.

384 Seiten
Wunderlich (2010)
19,95 Euro


Stand Februar 2011
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