Oskar und die Dame in Rosa

Eric-Emmanuel Schmitt hat sich an die Verfilmung seines Bestsellers „Oscar et la dame rose“ gemacht und dabei eine poetische Geschichte über den Wert des Lebens und der Freundschaft geschaffen.

© Kinowelt

Patienten und Pizza – ohne Pathos

Oskar ist zehn Jahre alt, sein Zuhause ist ein Kinderkrankenhaus, seine einzigen Freunde die anderen Patienten dort. Nur gelegentlich kommen seine Eltern ihn besuchen, versuchen verzweifelt ihre Verzweiflung zu verbergen und dem Sohn mit hilflosen Geschenken ihre Zuneigung zu zeigen. Als sie eines Tages unangemeldet in der Klinik auftauchen, aber nicht zu Oskar kommen, begibt der sich auf die Suche nach ihnen. In seinem aufgewühlten Zustand stößt er im Treppenhaus mit der Dame in Rosa zusammen, die ihn, den kleinen kranken Jungen, der von allen anderen nur mit Samthandschuhen angefasst wird, wüst beschimpft. Das imponiert dem Kleinen. Als er dann seine Eltern im Gespräch mit dem Chefarzt belauscht und erfährt, dass er nur noch kurze Zeit zu

© Kinowelt

Leben hat, seine Eltern ihm diese Information aber vorenthalten wollen, spricht er mit niemandem mehr. „Die Dame in Rosa“, mit der will er sprechen. Mittels Überzeugungskraft und Bestechung – wie gewünscht darf sie nun ihre Pizzen ins Krankenhaus liefern – wird sie deshalb engagiert. Was für die ruppige und eigentlich wenig sensible Rose als Geschäft beginnt, wird bald so viel mehr – für sie und für Oskar. Eine wunderbare Freundschaft entsteht – begründet auf 12 Tagen – die beider Leben, für immer verändert.

So bringt diese geballte Ladung Rosa – auf ihre eigene Weise – Liebe und Lebenslust an diesen tristen Ort. Ihre Wahrhaftigkeit ist es, die, wenngleich manchmal etwas schroff, Oskar bald von Ihrer Zuneigung zu ihm überzeugt, und es außerdem schafft, den Film vor allzu viel Pathos zu bewaren.

Oskar und Rose stolpern übereinander © Kinowelt

Die Lebensweisheiten einer Catcherin

Um den todkranken Knaben abzulenken und auch um ihn ein wenig für sein viel zu kurzes Leben zu entschädigen schlägt Rose ihm ein Spiel vor: Die letzten zwölf Tage des Jahres – für so lange wurde sie engagiert, länger wird er also wohl nicht mehr zu leben haben – soll Oskar so verbringen, als würde er an jedem dieser Tage zehn Jahre verleben. So wird Oskar schließlich – begleitet von den bonbonbunten Erzählungen Roses aus ihrer „Catchervergangenheit“, mit denen sie die richtige Lebensweisheit für jede Gelegenheit passend verpackt – doch noch 120 „Jahre“ alt, erlebt Pubertät und erste Liebe, „Heirat“ und Midlifecrisis. Auch Roses Sicht auf das Leben verändert sich, denn, wie sie selbst am Ende sagt: „Oskar hat mir soviel Liebe gegeben, dass es für ein ganzes Leben reicht.“

Ein Film zum Lachen und Leiden

Eric-Emmanuel Schmitt hat mit der Verfilmung seines Buches ein bezauberndes Filmmärchen mit teils hinreißenden Bildkompositionen geschaffen. Allein der hoffnungsvolle Ansatz, dass auch ein kurzes Leben viel bewegen kann, ist ungeheuer anrührend. Natürlich ist der Film bisweilen ein wenig kitschig geraten und rührselig ist es sowieso, wenn ein Kind sterben muss. Doch letztlich ist es Schmitt gelungen den schwierigen Spagat zwischen Tragödie und Komödie zu bewältigen. Und so ist aus „Oskar und die Dame in Rosa“ ein trauriger Film geworden, der einen dennoch mit einem Lächeln im Gesicht zurück lässt, buchstäblich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Oskars Briefe an Gott werden per Luftpost zugestellt © Kinowelt

Darsteller: Michèle Laroque, Amir, Max von Sydow, Amira Casar, Mylène Demongeot, Constance Dollé

Regisseur (und Autor): Eric-Emmanuel Schmitt

Genre: Drama


Stand Februar 2011

Share.