Ordnung im Chaos

Zeit, Himmel und nun das Chaos – in seiner „Landkarten“-Trilogie versucht der spanische Autor Félix J. Palma einmal mehr die Phantasie des H. G. Wells als Basis einer spielerischen Liebeserklärung an die Literatur zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Einmal mehr geht es um das Spiel der Realitäten, um haarsträubende Gefahren (egal ob eingebildet oder real) und immer auch um die ganz große Liebe.

Ordnung im Chaos

Die Wunder dieser Welt …

… sind nicht immer schön anzusehen. Und wenn doch, kann sich das bitter rächen. Diese Erfahrung muss Inspektor Clayton von Scotland Yard machen, als er sich in eine hübsche Gräfin verliebt und mit einer Hand bezahlt. Eine verlorene Geliebte hat auch der Millionär Gilmore auf Lager. Die ist zwar eigentlich bei einem Unfall mit einem dieser neumodernen Automobile ums Leben gekommen, aber mit entsprechenden Mitteln und dem festen Vorsatz, alles Nötige zu tun, muss sich doch da noch etwas machen lassen – oder? Kein Wunder, dass die ein oder andere spiritistische Sitzung mit alten und neuen Bekannten in diesem Band die Handlung voran treibt.

H. G. Wells und seine Frau Jane erfinden ein Serum, mit dem man sich vervielfältigen kann, und huschen elegant durch verschiedene parallele Welten. Und auch Charles Dodgon, alias Lewis Carroll, der Autor von „Alice im Wunderland“ und Sherlock Holmes literarischer Vater Arthur Canon Doyle tragen mit ihrer Fantasie einen wichtigen Teil dazu bei, Emma und Gilmore wieder zusammenzubringen.

Die Zwischenwelten der Fiktion

Einen letzten Besuch im Zwischenreich von Realität und Fiktion (natürlich alles innerhalb der Klammer der Fiktion des Werkes) erlaubt Félix J. Palma seinen Lesern. Und wieder einmal stellt sich an vielen Stellen bei Leser wie Figuren die Frage: Passiert das jetzt eigentlich gerade wirklich, oder werden wir Zeuge eines besonders cleveren Schauspiels? Leider gelingt es Palma auch im abschließenden Band nicht mehr ganz, die phantastische Frühform des Spiels mit der Realität aus dem ersten Band wiederaufleben zu lassen. Trotzdem sprudelt seine Geschichte noch immer über voller liebenswerter Details, versteckter Hommagen und erstaunlichen Ideen. Aber nun wird es Zeit, sich von Wells und seinen Gefährten zu verabschieden … und vielleicht stattdessen bald einmal zu deren Originalwerken zu greifen. Für alle Freunde von Detektiv- und Abenteuerromanen im klassischen Sinn, die einem Hauch Phantastik nicht abgeneigt sind.

Gisela Stummer (academicworld.net-Userin)

Félix J. Palma. Die Landkarte des Chaos.

24,95 Euro. Kindler.

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