Oper-rette sich wer kann

Wer hätte gedacht, dass sich die Geschichte vom weißen Rössl – den meisten wohl aus der Sonntagnachmittag im ZDF-Variante mit Peter Alexander bekannt – moderne Unterhaltung zaubern lässt? Gut, ohne Augenzwinkern und Ironie geht’s nicht, aber dafür ist „Im weißen Rössl – Wehe, du singst wirklich unterhaltsam und kurzweilig geworden. Seit 11. April auf Blu-ray und DVD.

Oper-rette sich wer kann
Pastell-poppig überdreht, aber immer noch mit Liebe, Liedern und Humor. © Senator

Die ganze Welt ist himmelblau?

Dunkelgrau trifft es eher. Jedenfalls für die kecke Berlinerin Ottilie Giesecke (Diana Amft). Eigentlich hatte sie mit einem Heiratsantrag ihres langjährigen Freundes gerechnet. Stattdessen macht der beim noblen Essen Schluss, per SMS – obwohl er ihr gegenüber sitzt.  Und dann will auch noch ihr Vater Wilhelm (Armin Rohde) die Urne der verstorbenen Mutter endlich an einen besseren Platz bringen: Ins Salzkammergut, wo man sich einst am schönen Wolfgangsee in einander verguckt hatte. Und Ottilie soll mit. Und als hätte sie es nicht geahnt sind dort alle Menschen penetrant fröhlich, ständig ist schönes Wetter und alle singen. Entsetzlich! Als hätte man die 50er Jahre in Pastell-Tönen neu aufgelegt.

Und dann ist da auch noch dieser Dr. Otto Siedler (Tobias Licht), der entweder einen kompletten Dachschaden hat oder sich auf den ersten Blick und Hals über Kopf in Ottilie verliebt hat. Einzig Oberkellner Leopold (Fritz Karl) scheint wenigstens ein paar Tassen im Schrank zu haben. Obwohl in die Liebe zu seiner Chefin, der Rössl-Wirtin Josepha (Edita Malovcic), die wiederum Dr. Siedler anschmachtet, schon sehr plagt. An der Front also alles wie gehabt. Und natürlich lässt sich auch Ottilie schnell erweichen und entdeckt im Kampf gegen den schmierigen Sigismund Sülzheimer (Gregor Bloéb) ihr Herz für’s Weiße Rössl – und Otto Siedler. 

Oper-rette sich wer kann
Auf dem Weg in die Vergangenheit? © Senator

Ohne Augenzwinkern geht’s nicht 

Ralph Benatzkys Operetten-Evergreen „Im weißen Rössl“ legte nach der Uraufführung 1930 einen internationalen Siegeszug bis an den Broadway hin. Wer die angesprochene Version von 1960 kennt, würde kaum glauben, dass das Ganze den Nazis als „entartet“ galt. Eine ziemliche Ladung Heimatfilm-Mief pustet die Kino-Version von Christian Theede nun von der Geschichte. Manchmal scheint es aber, als hätte er dabei einen Hochdruck-Reiniger verwendet.

So reiht sich der Stoff nun in aktuelle Mustern ein: Heimat geht nur noch in der Dramatisierung oder der Parodie. Die ist hier über weite Strecken allerdings durchaus gelungen. Und das trotz zahlreicher Gesangseinlagen. Erfolgsrezept des Films ist die Kombination aus feiner Ironie und gnadenloser Überzeichnung: Da formt sich schon mal aus ein Vogelschwarm am Himmel ein Herz, als es gerade romantisch zu werden droht. Musikalisch wurden die altbekannten Lieder von echten Könnern aufgemotzt. Unter anderem Jazz-Trompeter Till Brönner und Ärzte-Schlagzeuger Bela B haben hier mitgemischt. Da kann dann ruhig doch gesungen werden.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Oper-rette sich wer kann

Im weißen Rössl – Wehe, du singst!

Regie: Christian Theede
Darsteller: Diana Amft, Fritz Karl, Tobias Licht, Edita Malovcic, Armin Rohde, Gregor Bloéb

Seit 11. April im Verleih von Senator Film als DVD, Blu-ray & VoD erhältlich

www.imweissenroessl.senator.de 

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