Österreichisch für Fortgeschrittene

Gerade war ich in Wien. Und da habe ich an der Sigmund Freud Uni, wo ich meine Dissertation mache, nicht nur wichtige Dinge über „Vergleichende Psychotherapiewissenschaften“ und „Strukturanalyse in Prozess-Outcome“ Untersuchungen gelernt, sondern auch ein ganz wichtiges neues Wort.

Von Katharina Ohana, Psychologische Beraterin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Katharina Ohana, Psychologische Beraterin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

„Schmähdandler“

Schmähdandler kann man aus dem Österreichischen nicht direkt ins Deutsche übersetzen. „Dummschwätzer“ ist nur eine ungefähre Richtung. Ein Schmähdandler ist darüber hinaus aber noch eine Art Betrüger, der vorgibt mehr zu sein als er ist. Oder einer, der sehr bewusst testet, ob andere glauben, was er sagt und das dann zu seinem eigenen Vorteil ausbaut. Es ist auch einer, der schmierig schöne Frauen angräbt. „Schleimscheißer“ aber wiederum würde es verharmlosen, denn es steckt mehr Vorsatz im Schmähdandler – der Schmähdandler hat also eine höhere Schuldfähigkeit als der Schleim-Scheißer oder gar der „Arschkriecher“. (Psychologen würden sagen jemand mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung.) 

Besitzt der Schmähandler eine gewisse Intelligenz, kann er es weit bringen. Schon manch ein Schmähdandler hat es zum leitenden Angestellten gebracht –und zwar nicht über seine Leistung, sondern über seine gezielten, falschfreundlichen Manipulationen. Er ist die berühmte „Kollegen-Sau“, die bei der kleinsten Möglichkeit einen eigenen Vorteil wittert.

Auch in der Politik ist Schmähdandlertum recht nützlich. Besonders, wenn man wegen einer schlüpfrigen Affäre auffliegt, in die man genau wegen seines Schmähdandlertalentes aber auch hinein geraten ist. (Es ist zum Beispiel ausgeprägt bei einem wie Herrn Seehofer, der sein uneheliches Kind wegschmähdandelt, das er christsozial mit einer gewissen dreißig Jahre jüngeren Frau Anette Fröhlich außerehelich gezeugt hat – man möchte sich gar nicht vorstellen wie -, die als weiblicher Schmähdandler – solche gibt es natürlich auch – gerade Karriere macht in der Bundesnetzagentur, ohne irgendeine dafür geartete Qualifikation oder übliche Ausschreibung ihrer Pressestellenleitungsposition. „Die nette Anette“: wie oft wird sie diesen schmierigen Schmähdandler-Witz von etwas angestaubten Herren auf Gummisohlen, aber mit viel Beamten-Macht wohl schon gehört haben – der Leiter der Bundesnetzagentur Herr Homann gehört wohl genauso dazu, wie der spitzenchristsoziale Christian von Boetticher, der mit einer 16 jährigen eine Affäre hatte. Und wie sehr wird sie wohlgefällig darüber gelacht haben, oder schlimmeres, um an ihre Position zu kommen. Nur um mal ein Beispiel für ausgeprägtes Schmähdandlertum zu geben.)

Man kann ja sagen was man will: die Österreicher sind vielleicht sogar noch korrupter als wir Deutschen. Aber sie können es wenigstens benennen und das – bei aller Unappetitlichkeit – völlig ohne Fekalienwörter: Meister im Schmähdandeln eben.

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