Nuruddin Farah – Netze

Der Autor des vorliegenden Buches hat hier so etwas wie eine sehr authentische Biografie des Landes am Horn von Afrika vorgelegt. Dabei ist dieses Buch so meilenweit von der Idylle eines schönen Afrikaromans entfernt, wie allgemeingültige Menschenrechte von Somalia.

Gewohnte Afrikaromantik bleibt auf der Strecke

Allein das Cover dieses Buches ist preiswürdig. Vor mir steht eine verhüllte Person, nur das Gesicht ist zu erahnen. Mit dieser Person geht es mir wie mit diesem Land. Ich weiß wie es heißt, auch wo es liegt, aber viel mehr weiß ich nicht.

Mit seiner leicht lesbaren Sprache, die aus präzisen Beschreibungen und wohlüberlegten Worten besteht, kitzelt der somalische Schriftsteller  jenes ferne Land geradezu wach für seine Leser. Nuruddin Farah schafft es vor meinem inneren Auge ein Land und seine Bewohner in Bewegung zu versetzen, mit all ihren Nöten, Ängsten und Schönheiten. Kenner des Autors werden sagen: Kein Wunder, dass er sein Fach beherrscht. Bereits seine beiden Urgroßväter waren Dichter ihres Volkes.

Mit Karate Ordnung schaffen

Die Heldin dieses Buches ist vom Dichter selbst erschaffen. Sie ist eine aus Kanada kommende, somalisch stämmige Frau die nicht schlecht im Karatekampf ist. Sie kommt nach Somalia zurück um einem Warlord ein Grundstück zu entreißen, das ihrer Familie gehört. An dieser Frau macht Nuruddin Farah meisterhaft das Schicksal eines ganzen Landes fest. Ihre Ehe ist gescheitert. Ihr Sohn ist tot.

Dieses Buch lebt von seinen vielen Konflikten im Lande selbst, egal ob Stadt gegen Dorf, Arme gegen Reiche oder Frau gegen Mann. Wer dieses Land wirklich kennenlernen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Überall herrscht Bürgerkrieg, an jeder Ecke kann jederzeit ein mit einer MP bewaffneter Kindersoldat auftauchen und Millionen von Menschen im Land hungern täglich und dies seit Jahren.

Betroffen und ohnmächtig lässt mich dieses Buch in meinem Lesesessel zurück. Es gelesen zu haben bereue ich nicht.

Christian  Döring

Nuruddin Farah
Netze
483 Seiten
28,80 Euro

Suhrkamp Verlag

Stand Januar 2010
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