Nichts als Ärger: „Lucky Trouble“

Arbeiten in der Provinz, sich verlieben in Moskau, heiraten im siebten Himmel … und davor durch die Hölle zahlreicher Mißverständnisse taumeln. In Komödien geht es häufig schlicht zu, und manchmal sind sie einfach nur schlicht schlecht. Hier ist eine der letzteren Art.

Prognose: Milla allein im Kino.

Nichts zu feiern

Slawa Treteronow (Konstantin Khabensky), Lehrer in einem Küstenort am Asowschen Meer, reist nach Moskau, um einen Verleger für sein Romanmanuskript zu finden. Stattdessen findet er durch einen Verkehrsunfall die Frau seines Lebens.

Daß er vor der Hochzeit mit Nadja (Mila Jovovitsch) nochmals kurz ins Heimatstädtchen fahren muß, erweist sich allerdings als fatal, will man ihn dort doch nicht mehr fortlassen. Aufgrund eines Versehens wird er nämlich für den dringend benötigten Fußballtrainer gehalten, der mit einer Kindertruppe bei der Landesmeisterschaft gewinnen soll.

Während Slawa sich tapfer bemüht, eine Loser-Mannschaft zusammenzustellen, mit der er schnellstens aus dem Turnier fliegen kann, haben sich in Moskau bereits die illustren Heiratsgäste eingefunden. Mangels Hochzeit wegen des abhanden gekommenen Ehegattens feiert man sich bei Wodka und sentimentalen Liedern einfach selbst, derweil Nadjas Exfreund Danja (Iwan Urgant) die Chance ergreift, den leeren Platz an ihrer Seite zurückzuerobern.

Nichts zu lachen

Bisher schon gelacht? Nein? Tja, noch lustiger wird’s nicht. Kein Wunder angesichts solch närrischer Gestalten: Ein verzagt-gutmütiger Lehrer, der sich anarchischer, allerdings artistisch hochtalentierter Straßenjungen annimmt und sie versehentlich zu einer spektakulären Mannschaft formt; eine eifersüchtige Schuldirektorin; ein Mafiosi als gegnerischer Trainer; ein erfolgsversessener Stadtabgeordneter; eine naive Braut, die die abstrusen Ausreden ihres Verlobten am Telefon voller Anteilnahme akzeptiert; und eine Trottel-Hochzeitsgesellschaft, die offenbar tagelang feiern kann, ohne genau zu wissen warum.

Bei diesem lausigen Drehbuch, das zudem mit kruden Zufällen, platten Gags und stumpfen Dialogen wuchert, ist selbst für Regisseur Lewan Gabriadze kaum mehr etwas zu retten, zumal er es gar nicht erst versucht.

Vielmehr tritt er die ohnehin klamaukige Story durch seine burlesk-aufgekratzte Inszenierung ins filmische Aus. Weit an der witzigen Karikatur vorbeigeschossen endet „Lucky Trouble“ als völlig überdrehte Klamotte.

Leider Mist. Da bringen auch hübsche Gesichter keine Rettung.

Nicht zum Hinsehen

Um dies als Zuschauer durchzuhalten, kann man sich wenigstens an den intensiv bunten Farben erfreuen und der einen oder anderen netten visuellen Idee.

So leben die obdachlosen Kinder auf einem ausrangierten Schiff wie Peter Pans verlorene (russische) Jungs unter einem grenzenlosen Sternenhimmel. Auch die Verliebtheitsphase zwischen Slawa und Nadja ist durchaus herzig präsentiert. Wenn die beiden durch Moskaus Straßen fahren, sind überall auf Plakaten oder Wänden ’falling in love’-Botschaften zu lesen, die der Metropole einen überraschend romantisch-unbekümmerten Appeal verleihen.

Der Rest ist zum Wegschauen. Bedauerlich, denn immerhin hat Timur Bekmambetow produziert, der als Regisseur mit „Wächter der Nacht“ (2004) sowie „Wächter des Tages“ (2006) dem Fantasygenre einen originellen Schub geben konnte.

Auch Konstantin Khabensky zeigt in jenen beiden Filmen seine wahre nüchterne Extravaganz. So betrachtet sollte „Lucky Trouble“ dem gnädigen Vergessen anheimfallen.

(von Nathalie Mispagel, Kinoexpertin auf academicworld.net)

 

 

Lucky Trouble

Russland 2011

Regie: Levan Gabriadze
mit Milla Jovovich, Konstantin Khabenskiy, Ivan Urgant

Kinostart: 6.10.2011
 
GV WORLD Filmverleih

 

 

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