Nicht ohne meinen Zombie

Statt auswegloser Apokalypse wartet der Film „Warm Bodies“ mit Untoten mit Gewissensbissen und viel Humor auf. Trotz Teenie-Lovestory liefert der Film zum Buch von Isaac Marion unterhaltsame, schräge und selbstironische Einblicke in die andere Seite einer Zombie-Invasion. Ab 11. Juli auf DVD und Blu-ray sowie als Download.

Nicht ohne meinen Zombie
Die Annäherung an den fahlen Fremden erfolgt schneller als gedacht. © Concorde Home Entertainment

Untoter mit Gewissensbissen

Vampire, Werwölfe & Co. Haben es längst geschafft, nun gelingt auch dem Zombie der Genrewechsel. Mit Warm Bodies bekommt es der Zuschauer wohl zum ersten Mal mit dem verwesenden Untoten als potenzielles Love Interest zu tun. Glückliche Fügung, das man mit Nicholas Hoult als R (an den Rest von seinem Namen kann er sich leider nicht mehr erinnnern) in der Maske einigermaßen pfleglich umgegangen ist. Zwar ist die Ausgangs-Gesichtsfarbe nicht gerade gesund, aber ansonsten ist immer klar, dass hinter dem verlangsamten Bewegungsablauf, dem Hirn-Hunger und dem Gedächtnisproblem ein durchaus moralisch-integerer, hübscher Kerl steckt.

Deshalb plagen ihn ja auch solche Gewissensbisse, wann immer er seine Zähne in einen Menschen schlagen muss. Immerhin, ganz so aseptisch und blutleer wie beim keuschen Twilight-Helden geht es hier nicht zu. R, immerhin die Erzählstimme aus dem Off, bittet den Zuschauer allerdings im entscheidenden Moment bitte wegzuschauen. Gute Lösung: kommt erstens charmant rüber und bewahrt den Film zweitens vor einer höheren Altersfreigabe.

Liebe heilt alle Wunden

Schon ganz am Anfang wird klar, dass R (Nicholas Hoult) anders ist, als die meisten seiner Leidensgenossen. Aus nicht näher beleuchteten Gründen hat eine Virus-Epidemie die Menschheit heimgesucht. Seither wird die Welt weitestgehend von untoten Schleichern mit Hunger nach Hirn bevölkert. Lediglich in kleinen Enklaven hinter hohen Betonmauern gibt es noch lebende Menschen mit Puls und Erinnerungen. Obwohl auch er fast alles vergessen hat, treibt R eine starke Sehnsucht nach der Welt der Lebenden und nach Gesellschaft an. So sammelt er in einem verlassenen Flugzeug Souvenirs aus der prä-apokalyptischen Zeit und hört gerne auf einem alten Plattenspieler Musik.

Als er eines Tages bei einem Angriff auf eine Gruppe Menschen die toughe junge Julie (Teresa Palmer ) sieht, scheint es um ihn geschehen. Dass er bei besagtem Angriff ihren Freund Perry verspeist hilft ihm auch nicht weiter. Dadurch hat er jetzt alle möglichen Erinnerungen und Gefühle für das Mädchen. Plötzlich spürt er so ein Ruckeln in der Brust – sein Herz beginnt wieder zu schlagen. Um sie vor seinen Artgenossen zu retten, lotst er sie in sein Flugzeug. Besonders nett: Immer wieder ermahnt er sich in Gedanken bloß nicht zu gruslig zu sein.

Im Laufe der gemeinsamen Zeit wird R immer menschlicher. Es fällt im wieder leichter zu reden, zu laufen … Auch Julie findet den jungen Zombie zusehends sympathisch. Auch wenn er ihren Freund verspeist hat. Die beiden „stecken“ sogar weitere Untote an. Beim Anblick des Händchen haltenden Paares überkommen auch sie Gefühle. Nur die Bonies, das Endstadium des Zombie-Daseins, haben so überhaupt kein Verständnis und keine Gnade und jagen die beiden. Darin sind sie komischer Weise Julies Vater ( John Malkovich) ganz ähnlich. Wird er ihnen glauben, dass es einen Weg zurück gibt?

Nicht ohne meinen Zombie

Versch(r)obene Einblicke

Die Zombie-Welt von „Warm Bodies“ ist herrlich skurril und verschroben. Auch wenn die Ausrichtung auf die nun Twilight-lose Jugend offenkundig ist, bietet der Film angenehm charmante Unterhaltung und eine nette Wendung am Ende. Denn: Es ist nie zu spät für ein bisschen Menschlichkeit. Auch wenn man ein Zombie ist.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Warm Bodies

Regie: Jonathan Levine
Darsteller: Nicholas Hoult, Teresa Palmer, John Malkovich, Analeigh Tipton, Rob Corddry

Im Vertrieb von Concorde Home Entertainment ab 11. Juli 2013 auf DVD und Blu-ray Disc™ sowie als Download
 

Share.