Neue Feinde braucht der Westen

Nachdem der Konflikt zwischen Cowboys und Indianern mittlerweile erstens ausgelutscht und zweitens politisch so überhaupt nicht mehr korrekt ist, brauchen die harten Jungs im wilden Westen neue Gegner. In Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ finden sie diese statt in fremden Stämmen in fremden Spezies. Ein durchaus amüsantes und allemal ansehnliches Action-Spektakel, jetzt auf DVD und Blu-ray.

Rezension "Cowboys & Aliens"

Allein unter Feinden

Allein in der Wüste liegt ein Mann (Daniel Craig). Er kommt zu sich. Sieht sich fragend um. Um den Arm trägt er einen merkwürdigen Metallreif, der sich nicht abnehmen lässt. Noch bevor er ganz weiß was geschieht kommen ein paar zwielichtige Fremde Reiter vorbei und attackieren ihn. Ein Fehler, wie sich zeigt, denn der einsame Kerl weiß zwar nicht wer er ist, aber er weiß sich zu wehren. Nachdem er die Angreifer erledigt hat, macht er sich auf in die nächste Stadt.

No Absolution?

Viele Menschen leben nicht in Absolution. Einst als Goldgräberstadt geplant hat sich der rechte Goldsegen nicht eingestellt. Hier sind die Frauen spärlich gesät und die meisten Männer noch echte Kerle. Konflikte werden gerne mit der Faust oder mit dem Schießeisen der Wahl geregelt. Der Fremde ist dort schnell erkannt. Sein Name ist Jake Lonergan, er ist ein gesuchter Revolverheld und Räuber. Aus der Tatsache, dass er sich zunächst so gar nicht darauf besinnen kann, dass er eigentlich ein böser Bube ist, bezieht der Film zunächst den Großteil seiner Spannung. Denn: Wie viel kann man einem Verbrecher vergeben? Kann man sich solche Taten selbst vergeben?

Jedenfalls werden stimmungsvolle Landschaftsbilder und herbe Westernstimmung werden bald jäh unterbrochen durch den Angriff fliegender „Dämonen“ – denn von Aliens hat hier niemand eine Vorstellung. In stockfinsterer Nacht nähern sich also plötzlich geheimnisvolle Lichter, eine Art Fangseile schnellen wie aus dem Nichts hervor und reißen unschuldige Bewohner mit sich in die Lüfte. Nur Jakes Armband scheint eine wirkungsvolle Waffe zu sein.

Ein Feind im Äußeren vereint doch immer

Schnell sind vorherige Konflikte vergessen und um den gemeinsamen Feind zu stellen und die Entführten zurückzuholen macht sich eine bunt gemischte Truppe auf den Weg. Da ist zum einen der machtbewusste Viehbaron Colonel Woodrow Dolarhyde (Harrison Ford) – der Jake eigentlich noch kurz vorher am liebsten persönlich um die Ecke bringen wollte, der kampfunerfahrene Saloonbesitzer Doc (Sam Rockwell, wie immer wandlungsfähig und überzeugend), ein kleiner Junge, dessen Großvater und einziger Verwandter unter den Entführten ist, eine geheimnisvolle Schöne (Olivia Wilde), die mehr zu wissen scheint als der Rest, Jake und noch einige mehr oder weniger bedeutsame Randfiguren. 

Gemeinsam wächst die kleine Kampftruppe an ihren Aufgaben, schließt ein Bündnis mit den örtlichen Indianern und findet schließlich nicht nur die Außerirdischen, sondern auch Jakes Gedächtnis wieder.  Bald ist klar: Von ihnen hängt das Schicksal der Menschheit ab. Wie könnte es auch etwas geringeres sein.

Echte Männer brauchen keine Dialoge

Action und Special-Effekte sind gut gemacht und hübsch anzusehen, aber der eigentliche Hit sind die sparsamen Blicke, die Craig und Ford austauschen. Echte Männer müssen keine epischen Dialoge führen um ihre Beziehung zu einander zu verhandeln – da reicht schon ein skeptischer Blick unter der Hutkrempe hervor und schon ist klar, dass sich hier Hass gerade in Respekt verwandelt. 

Natürlich ist „Cowboys & Aliens“ in erster Linie ein Action-Spektakel der überlebensgroßen Art. Darüber sind sich aber alle Beteiligten auch sichtlich im Klaren. Und: Letztlich ist der Film, trotz der extraterrestrischen Eindringlinge ein gekonntes Spiel mit den Klischees und Mythen  des Western – bis hin zum Lonesome Rider, der am Ende alleine in den Sonnenuntergang reitet.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Cowboys & Aliens

Regie: Jon Favreau
Darsteller: Daniel Craig, Olivia Wilde, Harrison Ford, Sam Rockwell und andere

Im Verleih von Paramount Pictures Germany

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