Neil Gaiman: American Gods

Nach einem tragischen Schicksalsschlag lernt Shadow den geheimnisvollen Mr. Wednesday kennen und plötzlich ändert sich sein Leben radikal. Er gerät mitten zwischen die Fronten eines Krieges. Doch dies ist kein normaler Krieg – es ist der Kampf der Götter auf Erden!

Heyne Verlag, 2005

Geheimnisvoller Auftrag
Shadow ist die Personifikation des gutmütigen Riesen und ein Gefängnisinsasse, der davon träumt, nach seiner Entlassung ein überschaubares Leben an der Seite seiner geliebten Frau zu führen. Auch Arbeit wartet draußen auf ihn, im Fitnesscenter seines Freundes. Zwei Tage, bevor Shadow in die Freiheit darf, sterben jedoch Frau und Freund in einem Autounfall und er steht vor dem Nichts. Auf dem Weg zur Beerdigung lernt er im Flugzeug den ominösen Mr. Wednesday kennen, einen älteren Mann im Anzug, der ihm ein Jobangebot macht. Obwohl Shadow diesen alles andere als sympathisch findet und ihn die vage Beschreibung der Aufgaben vermuten lassen, dass es um keine ungefährliche Arbeit geht, willigt er schließlich ein.

Krieg der Götter
Damit beginnt für Shadow eine Odyssee mit phantastischen Begegnungen und Erlebnissen. Als eine Art Bodyguard von Mr. Wednesday lernt er nach und nach eine andere Seite Amerikas kennen. Alte Götter, die im Laufe der Geschichte in die neue Welt immigriert sind, versuchen so gut es geht zu überleben, indem sie ein unauffälliges bürgerliches Leben führen. Die jungen Götter Amerikas wiederum fühlen sich durch die Präsenz der alten, die jederzeit aus ihrem Schattendasein heraustreten und Ansprüche erheben könnten, bedroht. Mr. Wednesday, dessen wahre Identität erst spät enthüllt wird, versucht die alten Götter zu vereinen, um mit gebündelter Macht der möglichen Gefahr der Auslöschung vorzubeugen. Doch die ohnehin gespannte Lage zwischen den Fraktionen spitzt sich immer mehr zu. Schließlich sieht sich Shadow inmitten eines Götterkrieges geraten.

American Gods ist eine Abenteuerreise
Eine, die nicht zuletzt durch die Perspektive der unwissenden Hauptperson spannend bleibt. Die Handlung besteht aus Puzzleteilen, die Shadow und durch ihn der Leser nur nach und nach logisch zusammensetzen kann. Die undurchsichtigen Motive der Götter und damit der Sinn ihres Treibens werden erst im furiosen Romanende restlos aufgedeckt, in dem sich der unscheinbare Held außerdem als Schlüsselfigur entpuppt.

Feiner Mix aus Tragik und Humor
Auf dem Weg dahin werden dem Leser Röntgenbilder der amerikanischen Kultur und Gesellschaft geboten. Auch der Götterkrieg sowie die einzelnen Götterschicksale lassen sich als Allegorien in diesem Sinne verstehen. Die Gesellschaftskritik kommt aber dabei ohne erhobenen Zeigefinger aus. Es sind genaue und feinsinnige Beobachtungen von Menschen und Situationen und der richtige Mix aus Tragik und Humor, die die Lektüre zum Genuss machen. Neil Gaiman’s American Gods ist ein wahrer Unterhaltungstrip durch ein Amerika der Gegensätze und Klischees.

Autor: Neil Gaiman
Verlag: Heyne Verlag 2005
624 Seiten, broschiert


Stand: April 2011

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