„Namasteeeeee“ in India!

Eva-Maria Klett (27) aus München hat mit ESL Sprachreisen Indien erkundet. Bei uns erzählt sie von ihren Erfahrungen auf dem Subkontinent.

Reisebericht "Indien"

Indien reizte mich schon immer. Mit einer großen Portion Respekt und Abenteuerlust setzte ich mich ins Flugzeug Richtung Neu-Delhi! Diese Riesenstadt hat mich erst einmal umgehauen. Auf den Straßen herrscht absolutes Chaos. Autos, Rikshas und Menschenmassen – wohin das Auge reicht. Besser gesagt, der ganz normale indische Wahnsinn. Mein Ziel am ersten Tag war es eine Straße in Old-Delhi  zu überqueren, ohne überfahren zu werden. Die unterschiedlichen Gerüche waren doch sehr gewöhnungsbedürftig aber auch interessant. Ich habe in Delhi viel Leid und Armut gesehen, aber auch großen Reichtum und Modernität. Hier treffen sprichwörtlich zwei Welten aufeinander aber wahrscheinlich macht das auch den Reiz der Stadt aus. Mein absoluter Lieblingsort in Delhi war der Lodi Garden, ein wunderschöner Park, wo sich die Inder auch mal in der Öffentlichkeit küssen dürfen.

Abenteuer Busfahrt

Besonders nervenaufreibend war auch der Kauf meines ersten Bustickets. Das kann in Indien Stunden dauern, ist äußerst kompliziert und hat mich an den Rand der Verzweiflung gebracht. Ich wurde von Schalter A nach B geschickt, dann zum Schalter C, bis der Verkäufer dort mich wieder zu A schickte (und weil es so schön war, gleich nochmal!). Nun weiß ich auch warum in Indien alle Yoga machen, wahrscheinlich damit man in solchen Situationen nicht explodiert! „Ommmmmmm!“

Aber meine Geduld hat sich gelohnt. Eine holprige Nachtfahrt im Klapperbus und ich erreichte Rishikesh:  Aussteigerparadies, Yogahochburg und einfach nur wunderschön! Nach dem staubigen Delhi war dieser grüne Fleck Erholung für meine Seele. Schon die Beatles haben hier im Ashram meditiert! An jeder Straßenecke findet man einen Tempel. Der Geruch von Räucherstäbchen hängt in der Luft und die „Spiritualität“ des Ortes ist allgegenwärtig – und das liegt nicht nur an den vielen Sadhus und Kühen. Durch Rishikesh fließt der „heilige“ Ganges, der hier übrigens sehr sauber ist. Bei einer wilden Raftingtour mit sechs netten Indern konnte ich mich selbst davon berzeugen.

Mein Weg nach Rajasthan war lange und sehr abenteuerlich und wurde nur durch einen Stopp in Agra unterbrochen. Aber das Taj Mahal war natürlich Pflicht auf meinem Trip! Nachdem ich mit mehreren Indern fürs Familienfoto posieren musste, konnte ich endlich das „Weltwunder“ bestaunen und die Sonne genießen! Beim Abendessen probierte ich das erste Mal „Thali“, ein Teller voller indischer Köstlichkeiten. Super lecker, aber in Nicht-Touri-Restaurants mit Vorsicht zu genießen. Mein Thali war so scharf, dass ich regelrecht die Flammen in meinem Mund spüren konnte und diese nur durch drei Banana-Lassis löschen konnte.

Reisebericht "Indien"
Eva-Maria unterwegs in Indien. © privat

Auf nach Rajasthan!

Weiter ging?s ins „Land der Könige“, nach Rajasthan! Es erwarteten mich Wüste, Maharadscha-Paläste und der leckerste Chai-Tee der Welt. Die geschäftige Stadt Jaipur ist nicht nur das Shopping-Paradies jeder indischen Frau, sondern auch meines. Der „Jaori Basar“ wurde schnell zu meinem Lieblingsplatz. Klamotten, Schmuck, Tee, Bücher und sonstiger Krims Krams gibt es hier zu Traumpreisen, was will man mehr.

Aber auch beim Einkaufen braucht man in Indien sehr viel Geduld. Erst muss man den Verkäufer auf mindestens die Hälfte seines Ausgangspreises nach unten handeln (das kann dauern!), zwischendurch noch mit ihm Chai Tee trinken und sich eventuell noch Fotos seiner Kinder und seiner Frau anschauen. Ein Ritual, das nach mehreren Käufen mir etwas zu anstrengend wurde. Da ich nach drei Tagen Shopping in Jaipur Angst hatte, dass mein Rucksack zu schwer würde, kaufte ich mir ein Busticket nach Pushkar.

Der kleine, verschlafene Hippie-Ort am heiligen Pushkar-See ist bekannt für seinen Brahma Tempel (der einzige in Indien) und den berühmten Kamelmarkt, der jedes Jahr im November stattfindet. Ich erlebte Pushkar also im Ausnahmezustand.

Wie viele Menschen passen auf ein Kamel?

Mein Hostel kostete das 5-fache als sonst aber das war mir egal. Tausende bunte Turbane, glitzernde Saris und rund 50.000 Kamele, Indien wie es leibt und lebt! Die Kamele waren alle für den festlichen Anlass buntgeschmückt und wurden zu den besten Preisen angeboten. Bei lustigen Wettbewerben wie „Wie viele Menschen passen auf ein Kamel?“ oder „Welcher indische Mann hat den größten und schönsten Schnurrbart?“ habe ich mich köstlich amüsiert und viel indisches Popcorn gefuttert.

Als ich von so viel Rummel die Nase voll hatte führte mich mein Reiseführer nach Bundi. Dieses kleine Städtchen ist vom Tourismus noch fast unberührt und sehr idyllisch gelegen. Die blaugetünchten Häuser und verwinkelten Gässchen laden zu tollen Spaziergängen ein, die Leute sind sehr freundlich, wenn auch etwas schüchtern. Ein nettes „Namasteeee“ (das e wird lustig lang gezogen) bekommt man hier von jedem und überall zu hören.

Majestätisch über dem Ort thront der Bundi Palace, der Palast eines ehemaligen Maharadschas. Bei meiner Besichtigung war ich fast alleine im Palast (okay, die gut 1.000 Fledermäuse mal nicht mitgezählt) und die Atmosphäre war einfach unbeschreiblich. Sonne, ein riesiger verfallener Palast, absolute Ruhe und ich mittendrin!

Auf den Spuren von James Bond

Von Bundi nach Udaipur nahm ich dann das erste Mal auf meiner Reise den Zug! Um das Zugsystem und den Fahrkartenkauf zu verstehen bedarf es in Indien glaube ich eines eigens dafür konzipierten Studiums, ich habe es bis heute nicht verstanden! Ein netter Inder hat mir geholfen das Ticket zu kaufen und hat sich natürlich ganz selbstverständlich eine kleine Provison für seine freundliche Hilfe miteingerechnet! Der Zug kam dann auch endlich, zwar drei Stunden zu spät, aber er kam. Eingezwängt mit gut fünfzehn Inderinnen saß ich in meinem Abteil und bestaunte ihre tollen, farbenfrohen Kleider und die vielen glitzernden Bangles (Armreifen). Ein kleiner Vorgeschmack auf Udaipur. Diese Stadt versprüht für mich Romantik à la Bollywood, denn sie ist einfach nur wunderschön. Bei Nacht, wenn die kleinen Inseln auf dem Lake Pichola beleuchtet werden, scheint die Stadt einem Märchenbuch entsprungen. Viele Menschen verbinden mit Udaipur allerdings kein Märchen sondern James Bond. Mein indischer Lieblings-Kellner erzählte mir ganz stolz, dass in Udaipur der James Bond Klassiker „Octopussy“ gedreht wurde.

Leider ist ja jede Reise einmal zu Ende und deshalb ging es für mich von Udaipur mit dem Nachtzug wieder Richtung Delhi. Am Flughafen piepste es beim Detektor und eine junge Inderin sollte mich durchsuchen. Wir gingen in eine kleine Kabine und sie entdeckte meinen Ganesha-Anhänger an meiner Kette. „You like Ganesha?“ fragte sie mich etwas unfreundlich. „Yes, I do, it is my favourite Hindu-God.“ Da lächelte sie mich stolz an und die Untersuchung war Schnee von gestern! So schnell gewinnt man das Herz der Inder … Mit vielen neuen Eindrücken und tollen Erinnerungen saß ich im Flieger Richtung Heimat.

Liebe auf den zweiten Blick

Indien war für mich ein großes Abenteuer. Am Anfang hatte ich doch etwas Probleme mit den vielen Menschen, dem Müll, den Straßenkindern und der fremden Kultur. Ich habe für mich herausgefunden, dass man sich auf Indien einlassen muss, es schmecken, riechen und fühlen und spätestens nach einem rubinroten Sonnenuntergang inmitten der Wüste Rajasthans packt jeden das Indien-Fieber! Liebe auf den zweiten Blick sozusagen!

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