Nachwehen des Krieges

100 Jahre ist es nun her, seit der Erste Weltkrieg die Menschen ereilt hat. Zunächst noch voller Euphorie in den Krieg gestürmt, sind die Illusionen spätestens mit dem Ende des verlustreichen Kampfgeschehens vier Jahre später gefallen. Der Schrecken und die Verluste freilich blieben weit länger im Gedächtnis der Menschen und Nationen … leider ohne einen erneuten Krieg nur zwanzig Jahre später zu verhindern.

Nachwehen des Krieges

Zwei Jahren sind vergangen, seit der erste große Krieg des letzten Jahrhunderts ein Ende fand. Zumindest auf dem Papier. In fünf Tagen sollen als sichtbares Zeichen die Überreste eines Unbekannten Soldaten mit allen militärischen Ehren in der Westminster Abbey bestattet werden. In diesen fünf Tagen, die von der Exhumierung bis zur Bestattung vergehen, folgt das Buch von Anna Hope sowohl zahlreichen Einzelschicksalen, die von dieser Überführung betroffen sind oder dem Sarg begegnes, als auch drei Frauen, die im Krieg schmerzliche Verluste erlitten haben. 

Adas 18-jähriger Sohn ist wohl gefallen, weil es aber kein offizielles Grab gibt, kann sie von der Hoffnung, dass er doch noch heimkehrt nicht lassen und setzt dafür sogar ihre Ehe aufs Spiel. Lady Evelyn hat ihren Geliebten verloren und dem adligen Leben den Rücken gekehrt. Täglich kämpft sie sich in einer Behörde durchs Leben, die den Kriegsversehrten Renten zuteilt und muss sich dort auch noch beschimpfen lassen. Hettie schließlich hat sich als bezahltes Tanzgirl verdingt, weil ihr im Krieg traumatisierter Bruder zum Familieneinkommen nichts beitragen kann. Alle hoffen sie auf ein besseres Leben und wissen doch nicht, wie es auch nur aussehen könnte. Ein packendes, emotionales Buch, das den 1. Weltkrieg von vielen durch und durch menschlichen Seiten beleuchtet. 

Gisela Stummer (academicworld.net)

Anna Hope. Abgesang. 
19,95 Euro. Kindler.

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