Musikalischer Krimi

„Ich bin wieder hier, in meinem Revier, war nie wirklich weg…“ – und, klingelt es schon? Jeder kennt diese Liedzeile, aber bekanntlich mag sie nicht jeder. Trotzdem sei der Thriller „Der Gesang des Blutes“ von Andreas Winkelmann sowohl Fans als auch meinen Leidensgenossen schwer an Herz gelegt. Die Stellen im Buch mit Songtext entweder genießen oder einfach ganz schnell überlesen.

„Ich bin wieder hier, in meinem Revier, war nie wirklich weg…“ – und, klingelt es schon? Jeder kennt diese Liedzeile, aber bekanntlich mag sie auch nicht jeder. Trotzdem sei der Thriller „Der Gesang des Blutes“ von Andreas Winkelmann sowohl Fans als auch meinen Leidensgenossen schwer an Herz gelegt. Die 15 Stellen im Buch entweder genießen oder einfach ganz schnell überlesen.

Der ganz normale Horror

Kristin und Tom sind ein ganz normales Ehepaar. Sie hat Angst vor Kellern, er macht sich darüber lustig. Sie kaufen ein Haus auf dem Lande, ein Schnäppchen, um mit ihrer kleinen Tochter endlich aus der Stadt raus zu kommen. Doch sehr bald nach dem Umzug stirbt Tom. Damit verabschieden wir uns bereits nach 30 Seiten von einem Hauptcharakter. Was folgt, ist ein Spannungsbogen über mehr als 300 Seiten, der nur ganz vereinzelt kurze Luftlöcher aufweist. 

Frisch aufpoliert

Grundsätzlich ist die Geschichte nicht neu: Ehepaar (hier mit Kind) zieht in ein altes Haus, im Dorf gibt es Gerüchte darüber. Keiner will was erzählen, aber alle machen Andeutungen. Auch hier ist die weibliche Hauptperson fleißig und beharrlich bemüht, sich die alten Geschichten anzuhören.

Dazu noch ein zweiter Erzählstrang über einen eigentlich ganz netten und sozialen Gangster. Das ist anfangs sehr weit her geholt, bis sich die Wege der beiden verbliebenen Hauptcharaktere dennoch kreuzen.

Für den Leser sind die verschiedenen Erzählperspektiven sehr abwechslungsreich. Andreas Winkelmann ist außerdem sehr geschickt darin, den verwendeten Schreibstil den Erzählcharakteren anzupassen. Raubeinig dort, sehr leidend und gefühlsbetont bei der Witwe, Nervosität vermittelnd bei der Dorfgemeinschaft und auch angepasst an den Zeitgeist vor ein paar hundert Jahren. 

Tolle Abwechslung

Wegen der zahlreichen Zeit- und Erzählerwechsel sollte man jedoch stets aufmerksam bei der Geschichte bleiben, um sich alle kleinen Details einzuprägen. Nur so kann sich wie bei einem Puzzle ein Teil ins andere fügen.

Ich persönlich habe sehr viel Spaß an Büchern, in denen man alle 50 Seiten denkt: “Ach soooo, na dann ist ja alles klar“ – um dann zehn Seiten später festzustellen, dass das doch noch nicht alles war. 

Und wenn ich erst zwanzig Seiten vor dem Ende die schlussendliche Klärung habe und alles andere davor auch schon absolut – tödlich – schlüssig schien, bereitet mir das stets große Freude und fesselt mich.

Allgemein sehr zu empfehlen für Phasen wie im Urlaub, in denen man viel Zeit zum Lesen hat. Ein ständiges, nur kurzes Lesen würde ich wegen der vielen Perspektiven und den zahlreichen kleinen Hinweisen als sehr anspruchsvoll empfinden.

PS: Bananenliebhaber sollten Seite 176 nur überfliegen – der detailverliebte Herr Winkelmann verleidet einem dieses Obst sonst für ein paar Wochen… Wer hätte gedacht, dass Bananen als Folterwerkzeug dienen können?

Stefanie Janke (academicworld.net-userin)

Andreas Winkelmann. Der Gesang des Blutes.
Rowohlt. 9,99 Euro.

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