Mordsteam? Ja. Aber auch Mordsspaß?

Gegensätze ziehen sich an und haben einen hohen Unterhaltungswert. Das ist das grundlegende Erfolgsrezept vieler Hollywoodstreifen: Was einst das System good cop-bad cop war, findet nun sein Äquivalent in zwei Polizisten aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Ob das wirklich immer funktioniert?

Ein Mordsteam - ab dem 25. Oktober als DVD, BluRay und VoD erhältlich!
Ein Mordsteam – ab dem 25. Oktober als DVD, BluRay und VoD erhältlich!

Wie es der Zufall so will, findet ein Polizist (Ousmane) aus den Ghettos der Vorstadt im Pariser Stadtgebiet die Leiche einer politisch prominenten Frau. Als die Pariser Polizei in Person von François mit der Ermittlung beginnt, mischt sich Ousmane tatkräftig ein. Immerhin wittert er eine Verbindung zu einem Skandal rund um illegale Spielhöllen, in den prominente Personen verwickelt sein sollen – den er seit geraumer Zeit verfolgt. Allerdings  hat ihm bisher niemand geglaubt. Und jetzt? Jetzt sieht er seine Chance gekommen, den Fall endlich ins Rollen zu bringen. 

François möchte den Fall so schnell wie möglich abschließen, während Ousmane vorrangig an der Wahrheit interessiert ist. Trotz allem ist François an sich kein schlechter Mensch, nur fürchterlich oberflächlich eben. Ob Ousmane es schafft, vielleicht doch ein bisschen auf ihn abzufärben oder vertuscht er am Ende doch alles? Einer für alle, alle für einen und einer nur für seine Karriere? 

Die Personen

Da hätten wir also den schleimigen weißen Aufsteiger in Paris (François), den sein Beruf als Polizist nur insofern interessiert, wie es seinem sozialen Aufstieg förderlich ist. Das bedeutet: Schreibtischarbeit und Lob für Arbeit einheimsen, die er nicht leistet. Mit den richtigen Leuten schlafen und essen. Nicht zu vergessen: Umfangreiche politische Kontakte knüpfen.

Auf der anderen Seite steht der schwarze Single-Vater aus dem Vorstadtghetto (Ousmane), der eine harte Jugend hinter sich hat. Feine Manieren sucht man bei ihm vergeblich. Durchsetzungsvermögen hat er dafür im Überfluss. Fluchen kann er auch recht nett und mit dem nötigen Quäntchen Sturheit und Sinn für Gerechtigkeit kann er erst recht aufwarten.


Wie sie sich sehen

Der feine Pinkel meint natürlich, ihm gehöre die Welt und dass er schlichtweg alles wisse. Vermeintlich fachkundig arbeitet er sich durch den Fall und findet seine persönliche Lieblingslösung binnen eines Tages. Die natürlich politisch korrekt ist, ihm den nächsten Schritt auf der Karriereleiter ermöglicht und ihn niemandem auf die Füße treten lässt. Er steht quasi für alles, was falsch läuft in dieser Welt.

Ousmane’s Sinn für Gerechtigkeit lässt das allerdings nicht zu, sodass er weitere Ermittlungen anstellt. Bei denen er seinen Partner in Unmengen peinlicher Situationen bringt, kaum Taktgefühl zeigt und am Ende den Fall natürlich so löst, dass das ganze Land in einen politischen Skandal gestürzt wird. Die Rolle des … modernen Pöbels? Gerechtigkeitsliebenden Ritters? Das kommt vermutlich darauf an, aus welcher Sicht man ihn betrachtet. 

Die Schauspieler dahinter

Omar Sy kennt man zunächst einmal aus „Ziemlich beste Freunde“, mit dem ihm ein toller Coup gelungen ist. Den er mit „Ein Mordsteam“ leider nicht wiederholen konnte. Immerhin hat er die leicht anspruchsvollere Rolle abbekommen: harte Jugend im Armenviertel, Singlevater, insgesamt nach Karriere strebend, doch auf dem steinigen Weg nach oben kämpfend. 

Laurent Lafitte als François arbeitet nicht zum ersten Mal an der Seite von Omar Sy. Allerdings kennt man ihn kaum, doch das ist nicht weiter verwunderlich. Denn auch in „Ein Mordsteam“ geht Laurent Lafitte neben ihm unter und fällt kaum auf – und das, obwohl er eine der beiden Hauptrollen spielt. Das liegt in diesem Fall nicht am Film, sondern tatsächlich am Schauspieler. Er erscheint so fade wie Nudeln ohne Salz.

Das Urteil

Es fängt mit dem Titel ja schon an: Ein Mordsteam. Zum einen ist also das Team toll und dann kommt es auch noch zu einem Mord, nein wie witzig! Nicht. 

Geht das Erfolgsrezept um zwei völlig unterschiedliche Hauptcharaktere auf? Nein. Obwohl der Unterschied in den Persönlichkeiten viel Potenzial für soziale Kritik ermöglicht, fast schon aufzwingt, wird dieses nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft. Der Film verläuft sich in Plattitüden, wo er ernsthafte Kritik üben könnte. Zwar nutzt er soziale Konflikte, um seine Szenen zu definieren, wie beispielsweise Drehorte in der „Bronx von Paris“. Doch insgesamt bleibt der Film so oberflächlich, wie man es von Hollywood erwartet – nicht von einem europäischen Film. Der äußere Unterschied der beiden Ermittler gipfelt quasi in dem Ideal der Toleranz und Gleichheit: Ousmane hat sogar eine dunkle Hautfarbe, ist das nicht der Wahnsinn? Nein. Ist es nicht. Wie man nämlich brav im Kindergarten lernt:  Äußere Erscheinungsbilder sind vollkommen irrelevant.

Die Handlung ist also nett, aber nicht tiefgehend genug und das Ende ist einigermaßen vorhersehbar.

Aber wer soll’s nun anschauen?

Es ist ja nicht alles schlecht und es kommt auch darauf an, was ihr sehen möchtet. Wer einen Indie Movie möchte, ist hier schlecht beraten. Geeignet ist der Film aber für jeden, der einfach unterhalten werden möchte. Oder der sich beispielsweise vor Tätigkeiten wie der Hausarbeit drücken möchte. Das geht mit „Ein Mordsteam“ ganz hervorragend!

P.S.: Leichte Unterhaltung wie diese eignet sich sehr gut, um sein Französisch wiederzubeleben – schaut den Film im OT!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Ein Mordsteam (Originaltitel: De l’autre côté du périph)
Regie: David Charhon
Darsteller: Omar Sy, Laurent Lafitte, Sabrina Ouazani

Im Vertrieb von Senator Home Entertainment ab dem 25. Oktober 2013 als DVD, BluRay und VoD erhältlich.

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