Morden im Norden

Und zwar ganz oben: Ragnar Jonasson beschert uns einen weiteren Krimi aus dem letztjährigen Buchmesse-Partnerland, nämlich Island. Ein Land, in dem es eh so gut wie keine Kriminalität gibt und in dem das Spannendste die unaussprechliche Name der Menschen sind. Ein Krimi aus einem Land, das auf der literarischen Krimilandkarte schon überproportional gut vertreten ist. Neben Arnaldur Indridason, Hallgrimur Helgason und Yrsa Sigurdardottir also noch ein Krimiautor, der die mörderische Seite Islands ausleuchten will?

Rezension "Schneebraut"

In der Ausbildung

Zunächst präsentiert Ragnar Jonasson in „Schneebraut“ einen interessanten Charakter, den er auf Ermittlung schickt. Ari Por Arason ist gerade einmal 24 Jahre alt und beruflich noch nicht eindeutig festgelegt. Er hat sich bereits in einem Theologiestudium zu verwirklichen versucht, brach dieses aber ab, um in den Polizeidienst einzutreten und dort seine Ausbildung zu beginnen. Und seine Ausbildungsstätte ist ausgerechnet das verschlafene Fischerdörfchen Siglufjördur geworden, ein Dorf mit wenigen Einwohnern im Norden der Insel, in dem nicht einmal die Türen abgeschlossen werden. Nach einem Streit mit seiner Freundin Kristin hat Ari erst einmal mit seiner bisherigen Kontakte in Reykjavik abgebrochen und er ist bereit für einen Neuanfang in dem kleinen Fischerdörfchen.

Rätselhafter Unfall

Da ein neuer Polizist im Dörfchen weilt und da die Handlung danach verlangt, muss es natürlich schon bald zu tödlichen Zwischenfällen in der Idylle kommen.

Der Dichter Hrolfur, die größte Persönlichkeit des Dörfchens, kommt im örtlichen Theater während einer Probe auf rätselhafte Weise ums Leben. Hroflur, der zeitlebens einen einzigen legendären Bestseller landen konnte und in der Folge von seinem Ruhm zehrte, wohnte gerade der Probe eines neuen Stückes bei, als er über die Treppe in den Tod stürzte. Ari wittert natürlich einen Mord, doch die Einwohner von Siglufjördur und seine Polizeikollegen sind keineswegs davon überzeugt, dass Absicht vorlag und wollen dementsprechend auch nicht, dass Staub aufgewirbelt wird.

Beharrlich folgt Ari aber trotzdem seinen Instinkten und lässt sich von seinen Intuitionen leiten und stößt so schon bald auf einige Details, die der heilen Welt im Dorf zuwider laufen und die man besser nicht aufgedeckt hätte.

Langatmig und dröge

„Thriller“ prangt vollmundig auf dem Cover von „Schneebraut“, doch wer einen temporeichen Krimi mit überraschenden Wendungen oder Ähnlichem erwartet, der sieht sich getäuscht. Leider erreicht das Buch lediglich die Spannung eines durchschnittlichen Tatorts, die Morde sind relativ bieder und dröge geschildert. Bis es zu den obigen Geschehnissen im Theater und den folgenden Taten kommen kann, vergehen erst einmal an die 110 Seiten, in denen nur Vorgeplänkel herrscht und in denen die Handlung nur vor sich hin plätschert. Zwar sind in dem Buch keine großen handwerklichen Fehler vorzuwerfen, aber was nützt das beste erzählerische Talent, wenn so rein gar keine Spannung aufkommen mag? Leider ist dies bei diesem Buch der Fall und so muss ich leider in der Endwertung einige Punkte abziehen, da zumindest mich dieses Buch nicht in seinen Bann ziehen konnte!

Marius Müller (academicworld.net-User)

Ragnar Jonasson. Schneebraut
14,95 Euro. Fischer Verlage

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