Mord in der Kirche

Hat ein Mitglied der katholischen Kirche eine Beziehung zu einem jüngeren Mann, sorgt das in der Regel für einen moralischen Aufschrei. Nicht so bei der Verfilmung von MISERERE (Choral des Todes) – da wird das ganz elegant übergangen. Im Fokus steht der Mord an einem Chorleiter, hinter dem eine gehörige Portion Grausamkeit und Intrigen stecken.

Filmkritik Miserere
Lionel Kasdan – ruhig, besonnen, seines Rentner-Daseins überdrüssig. Copyright: Senator Film

Jean-Christophe Grangé, Autor von „Die purpurnen Flüsse“, hat erneut einen markanten Thriller vorgelegt: MISERERE – Choral des Todes. Nun wurde dieser vom Franko-Amerikaner Sylvain White verfilmt.

Tod durch Ton

Der merklich gealterte Gérard Depardieu mit der markanten Knubbelnase gibt sich als Lionel Kasdan die Ehre. Er brilliert als Ermittler, der sich in Rente befindet. Oder es vielmehr sein sollte, denn das hat er seiner verstorbenen Frau versprochen. Doch dann überrascht ihn ein Mord in seiner eigenen Pariser Kirchengemeinde. Er beginnt, gegen den Willen der Behörden selbst zu ermitteln. Die Todesursache des Chorleiters ist dabei überaus rätselhaft: Offenbar wurden die Trommelfelle zum Platzen gebracht. Wie? Das weiß keiner.

Filmkritik Miserere
Frank Salek – einsamer Haudegen mit psychischen Problemen. Copyright: Senator Film

Teambuilding mal anders

Es dauert nicht lange, bis seine Wege sich mit denen des Interpol Agenten Frank Salek (gespielt von dem Rapper JoeyStarr) kreuzen. Dieser ist auf eigene Faust hinter einem Menschenhändlerring her, der insbesondere mit Kindern schachert. Ein Verdächtiger hat ihm eine Namensliste hinterlassen, in der der ermordete Chorleiter aufgeführt ist.

Beide Geschehnisse vereinen sich schnell zu einer riskanten Angelegenheit, deren Kern vor Grausamkeit nur so trieft. Als sich die Morde überschlagen, erkennt nur das ungleiche Duo den wahren Zusammenhang. Bald finden sie sich in einer äußerst unliebsamen Situation: eingekeilt zwischen drei mächtigen Spielern. Auf der einen Seite Interpol und die lokale Polizeibehörde, die das Team lieber im Ruhestand, beziehungsweise in der Suspendierung sehen würden. Auf der anderen eine faschistisch-religiöse Gruppierung, die nach dem zweiten Weltkrieg von flüchtigen Nazis in Lateinamerika gegründet wurde. Doch wie hängt sie mit dem Menschenhändlerring zusammen und welche Rolle spielte der Chorleiter?

Zum Film

Es ist geradezu erholsam, dass das Klischee des homosexuellen pädophilen katholischen Kirchenvertreters nicht bedient wird. Es handelt sich um eine ganz normale Beziehung zu einem Volljährigen. Die humorvollen Dialoge zwischen Frank Salek und Lionel Kasdan spiegeln eine Beziehung zwischen zwei Alleingängern wieder, die sich eigentlich doch ganz gut vertragen. Wer könnte einen aggressiven Haudegen auch besser verstehen und regulieren, als ein älterer und gesetzter Polizist mit deutlich mehr Erfahrung? Zusammen sind sie so gegensätzlich wie es nur geht, doch ihre sozialen Aversionen vereinen sie zu einem gut funktionierenden Team.

Die Schauspieler

Gérard Depardieu. Muss man noch etwas zu ihm sagen? Natürlich. Nämlich, dass seine Darstellung gerade im schönheitsverseuchten Filmgeschäft eine echte Charakterleistung ist. Er schafft es, gekonnt einen gealterten Polizeibeamten zu geben, der seiner jugendlichen Kraft nicht hinterher trauert. Der sich auch nicht schämt, ganz gepflegt seinen Wohlstandsranzen vor sich her zu tragen. Vielleicht sollte Tom Cruise sich die Rolle mal zu Herzen nehmen.

JoeyStarr, seines Zeichens als Rapper eigentlich ein Vertreter der musikalischen Zunft, war mir bis dato vollkommen unbekannt. Seine Rolle als Frank Salek ist im Gegensatz zum bedachten Lionel Kasdan sehr emotional geprägt. Da er in der Regel die Prügeleinsätze übernimmt, hat er kaum Anteil an größeren Dialogen. Das ist sehr schade, denn hier hätte der Film mehr Tiefe erhalten.

Der Regisseur, Sylvain White, ist seinerseits Franko-Amerikaner und konnte sein Talent bereits bei Projekten wie „Stomp The Yard“ punkten. Mit MISERERE (Choral des Todes) erweitert er sein Portfolio, hat aber für das perfekte Werk noch ein gutes Stück Weg vor sich liegen.

Für sich betrachtet, ist der Film durchaus sehenswert. Die Parallelen zu den weiteren Erzählungen des Autors Jean-Christophe Grangé sind allerdings frappierend – zusammen ergeben sie eine sehr homogene Sammlung. Es ist nichts Neues, aber es ist nicht schlecht gemacht. Gäbe es Sterne, wären es wohl 3,8 von 5. 

Bettina Riedel (academicworld.net)

Originaltitel: La Marque des Anges

Dauer: 106 Minuten

Regie: Sylvain White

Darsteller: Gérard Depardieu, JoeyStarr, Rüdiger Vogler, Helene Noguerra

Im Verleih der Senator Film Verleih GmbH.

Ab dem 06.12.2013 auf Blu-Ray und DVD.

Filmkritik Miserere
Frank Salek und seine Vorgesetzte: kommt sie noch an ihn ran? Copyright: Senator Film
Share.